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Benz und Horch in fachmännischen Händen
 

Mit offener Motorhaube wartet der Mercedes-Benz 300 S auf seine Reparaturen.
Als ich den Hof der PS.SPEICHER-Werkstatt betrete, höre ich schon das laute metallische Hämmern, das aus dem Inneren dringt. Ich habe heute einen Termin mit Werkstattleiter Michael Marx. Bereits im Frühjahr war ich hier, um über die Fahrzeuge zu berichten, die sich für Reparaturen in den fachmännischen Händen unser Schrauber befanden. Damals ist die Idee aufgrund des Corona-Lockdown und des damit einhergehenden schrumpfenden Inhalts für die Social-Media-Kanäle entstanden.

Jetzt, sechs Monate später, interessiert mich einfach, um welche Exponate die Werkstattkollegen sich aktuell kümmern und was den Fahrzeugen „fehlt“. Zwar sind die technischen Details für mich immer noch böhmische Dörfer aber es macht mir Spaß die Fahrzeuge kennenzulernen und mehr über sie zu erfahren. :-)


Horch 830 BL

Der erste „Patient“ auf den mein Blick fällt, ist der sogenannte Hochzeitshorch aus dem Verleihpool des PS.SPEICHER. Das hochwertige Cabriolet von 1936 ist meistens für Hochzeiten gebucht. Er ist das einzige Verleihfahrzeug, das stilecht mit Chauffeur daherkommt, denn den wertvollen Horch 830 BL dürfen die Mieter nicht selbst steuern. Die historische Technik in dem Fahrzeug ist was für Kenner. Seine Aufgabe, Paare am „schönsten Tag des Lebens“ zu begleiten, hat ihn in die Werkstatt geführt. In dieser Septemberwoche ist er nämlich gleich für zwei Hochzeiten gemietet.

Vor jeder Tour prüft die Werkstatt den Wagen auf Herz und Nieren, bzw. auf Motor und Technik. Er bekommt Benzin aufgefüllt, Räder nachgezogen und bei Bedarf Luft aufgepumpt. Bei diesem Check hat sich herausgestellt, dass Benzin austritt. Den Grund haben die Mechaniker schnell gefunden: die Dichtung im Schwimmer, der in den Tank geschraubt ist, hatte sich gesetzt. Sie wurde nachgezogen, fertig! Eine verhältnismäßig kleine Reparatur. Anders als bei seinem „Mercedes-Benz-Kollegen“, kann der Horch die Werkstatt morgen verlassen. Den beiden Fahrten ins Glück steht nichts im Wege. ;-)
 

Mercedes Benz 300 S Cabriolet A

Der zweite im Bunde ist das Mercedes Benz 300 S Cabriolet A. Das Fahrzeug (Baujahr 1953) ist eines der Highlightexponate im PS.Depot Automobil. Und da zu wenig Bewegung ungesund ist (das ist bei Fahrzeugen ähnlich wie bei Menschen), besitzt das schicke Mercedes-Cabrio eine Straßenzulassung. Über Standschäden kann es sich also nicht beschweren. Aber auch bei Ausfahrten kann einiges passieren, wie auf seiner letzte Tour. Die führte den 300 S bei den Einbecker Oldtimertagen zum Schloss Hämelschenburg nahe Hameln.

Zurück in Einbeck haben unsere Werkstattjungs entdeckt, dass das Fahrzeug unter Spritverlust leidet. Eine Inspektion brachte Klarheit: eine defekte Benzinpumpe die auf ein gerissenes Gehäuse zurückzuführen ist. Kein Problem, neue Pumpe rein und fertig, denkt ihr? Nein, so einfach ist das leider nicht! Für dieses Modell gibt es keine mehr. Und da das Gehäuse aus Zinkdruckguss besteht, ist Schweißen nicht möglich.

Was nun? Dieses Traumauto, das mit 175 Kilometern pro Stunde das schnellste deutsche Auto seiner Zeit war, ohne Pumpe ins PS.Depot Automobil zurückbringen, kommt nicht in Frage! Michael gibt nicht auf und wird schließlich bei einem Mercedes-Teilehändler für Oldtimer fündig. Er ist im Besitz einer gebrauchten Pumpe. Mittlerweile ist sie in Einbeck angekommen, wird mit einer neuen Membrane überholt und dann eingebaut. Puh, nochmal Glück gehabt. ;-)

In Kürze kann der Mercedes Benz 300 wieder auf seinen Platz im PS.Depot Automobil einziehen und sich von unseren Besuchern bewundern lassen. Dem Charme dieses Modells konnten schon prominente Persönlichkeiten wie Schauspieler Gary Cooper, Sänger Bing Crosby oder König Hussain von Jordanien nicht wiederstehen. Sie fuhren das damalige Mercedes-Spitzenmodell, ebenso wie Eduard VIII., Herzog von Windsor. Er brach für das Sportcabrio sogar mit einer Tradition: Bis dahin kauften und fuhren Mitglieder der königlichen Familie britische Automarken. Eduard jedoch wählte den Mercedes Benz 300 S, sehr zum Verdruss seiner Landsleute.

Umso besser, dass der Einsatz unseres Werkstattleiters sich ausgezahlt hat. So können sich die Zuschauer auch im nächsten Jahr bei Ausfahrten wieder an dem wunderschönen Mercedes erfreuen. Mal sehen, auf welche tollen Fahrzeuge ich bei meinem nächsten Besuch in der Werkstatt treffe. Ich bin schon gespannt. :-)