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Alles ganz anders als geplant - Mein Volontariat unter Corona-Bedingungen: Teil 1

Ohne die Fahrzeuge der Gäste und Kollegen ist der Parkplatz des PS.SPEICHER verwaist und ruht unter einer dicken Schneedecke
Still, dunkel und verlassen erstrecken sich die sechs Stockwerke des PS.SPEICHER in den grauen Januarhimmel. Seit nunmehr bereits neun Wochen erkunden keine Gäste mehr die Erlebnisausstellung mit den imposanten Oldtimerfahrzeugen aus 200 Jahren Mobilitätsgeschichte. Nachdem Mitte Dezember auch der Museumsshop schließen musste, liegt der Parkplatz komplett verwaist da. Die Fahrzeuge der Kollegen, die bis Weihnachten trotz der Museumsschließung den Betrieb aufrechterhalten haben, sind nun verschwunden. In den Büroräumen um mich herum brennt kaum Licht, auf dem Flur sind nur noch vereinzelt Schritte zu hören, kein Gelächter, das durch die Wände schallt. Ab und zu klingelt irgendwo ein Telefon. Es herrscht eine ungewöhnliche Stille, wie ich sie während meiner letzten sieben Monate hier nicht kennengelernt habe. Und die Ungewissheit, wie lange dieser Zustand andauert.

Als ich mit dem Schreiben dieses Features beginne, ist der 07. Januar 2021 und meine Kollegen befinden sich seit Ende Dezember in Kurzarbeit. Für mich als Volontärin, die sich in der zweijährigen Ausbildung zur Redakteurin befindet, greift diese Regelung nicht und so sitze ich an meinem Arbeitsplatz inmitten eines geschlossenen Museums und leerer Bürogebäude. Dabei sollte ich ursprünglich in diesem Monat gar nicht in Einbeck sein...
 

Da bin ich!

Als ich mich Anfang 2020 auf die Stellenausschreibung als Volontärin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Einstellungsbeginn zum 01. April 2020) bewerbe, ist Covid-19 noch eine neuartige Virusinfektion weit weg in China. Wie schnell und gravierend die Pandemie das gewohnte Leben auf den Kopf stellt, ist kurz darauf weltweit bittere Realität.
Für meinen beruflichen Neustart bedeutet das, dass Corona schon den Beginn ordentlich durcheinander würfelt. Bei meinem Vorstellungsgespräch im März (zu dem Zeitpunkt strecke ich noch reflexartig meine rechte Hand zur Begrüßung aus) ist klar, der Ausbildungsstart am 01. April ist nicht haltbar, denn am darauffolgenden Tag schließt der PS.SPEICHER während des harten Lockdown zum ersten Mal seine Türen für Besucher. Als ich die Jobzusage erhalte ist auch der verschobene Start auf den 01. Mai, aufgrund von Kurzarbeit der Mitarbeiter, nicht umsetzbar.
 

Fuß fassen im PS.SPEICHER

Mit zwei Monaten Verspätung starte ich im Juni endlich meine Ausbildung. Mit mir gemeinsam beginnt an diesem Tag eine weitere Volontärin. Cäcilia wird die kommenden zwei Jahre ihre Ausbildung in der Abteilung Ausstellung absolvieren. Auch die Abteilung Marketing bekommt Zuwachs. Bei der neuen Kollegin handelt es sich sogar um ein bekanntes Gesicht, denn Katharina und ich kennen uns bereits von früher. Auch bei ihr hat sich der Einstellungsstart verschoben. Wir drei verstehen uns auf Anhieb super, die Chemie stimmt, ich bin beruhigt. :-)

Schon am ersten Tag ist klar, das Volontariat wird anders verlaufen, als ursprünglich geplant. Statt in meinem Büro finde ich mich am Nachmittag beim Shop-Info-Kasse-Team des Museums wieder. Als Mitglied des Team B ist es meine Aufgabe, mich in das Kassensystem einzuarbeiten, damit ich Eintrittskarten und Shopartikel verkaufen kann, für den Notfall, dass bei den Kolleginnen eine Covid-19 Infektion auftritt und das Kernteam in Quarantäne verbleiben muss.
Durch meine Einsätze dort, lerne ich nicht nur das Museum und seine Gäste auf eine andere Art kennen, sondern auch die Kolleginnen mit denen ich sonst nicht so viele Berührungspunkte hätte.

Während der kommenden Wochen arbeite ich mich außerdem in meinem eigentlichen Tätigkeitsfeld im Büro ein und lerne den PS.SPEICHER und die vier PS.Depots kennen.
Keine drei Wochen nach Beginn meiner Ausbildung darf ich den Einzug „meines ersten Exponats“ begleiten und redaktionell betreuen. Gemeinsam mit zwei Ehrenaktiven, nehme ich das Löschgruppenfahrzeug (LF 24) in Boffzen (im Landkreis Holzminden) in Empfang, das die beiden auf eigener Achse überführen. Das Feuerwehrauto, mit Einbecker Vergangenheit, findet an diesem Tag seinen Platz im PS.Depot Lkw + Bus und als „mein erstes Exponat mit persönlichem Bezug“ auch in meinem Herz. In den Sommermonaten begleite ich meinen Abteilungsleiter zu verschiedenen Produktionen für Zeitschriften- und TV-Projekte. Alles auf Abstand und mit Maske aber ansonsten so, wie ich es mir vorgestellt habe. Große Abweichungen des eigentlichen Ausbildungsablaufes bemerke ich hierbei nicht. Noch nicht! Doch das wird sich in Kürze ändern...