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Alles ganz anders als geplant - Mein Volontariat unter Corona-Bedingungen: Teil 3

Das eingemauerte Motorrad ist eines der Patenschaftsobjekte, die Andrea und ich ausgewählt haben
Bedingt dadurch, dass aufgrund von Corona kein Regelbetrieb herrscht, habe ich die Gelegenheit andere Wege zu beschreiten, für die sonst wohl wenig Zeit geblieben wäre. Nachdem im September die größte Oldtimersammlung Europas mit der Öffnung des PS.Depot Automobil seine Vollendung gefunden hat (zu diesem Zeitpunkt verlebe ich gerade meine ersten Urlaubstage) starte ich mit Oldtimerfahrten. Anfänglich mit großem Respekt vor den alten und überaus wertvollen Autos und etwas zögerlich, ist nach dem ersten „Ausflug“ mit dem Ford Capri (Baujahr 1975) die Sorge dem Spaß gewichen.
 

Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere

Um frischen Content für die Social-Media-Kanäle zu produzieren, die Fotoskills zu verbessern und zu lernen, wie Autos am besten in Szene zu setzen sind, fahre ich mit meiner Kollegin in den nächsten Wochen immer mal wieder mit wunderschönen Oldtimern durch die Region. Wir steuern bekannte und zufällig entdeckte Orte, Plätze und Sehenswürdigkeiten an und entdecken unsere Heimat nochmal mit anderen Augen. Dabei entsteht ein Buch gespickt mit Fotostrecken und Fotopunkten für Journalisten, welches diese künftig für ihre Fahrzeugshootings im Einbecker Umland nutzen können. Eine echte Abwechslung zum Büroalltag und hey, mal ganz ehrlich, wer darf schon während der Arbeitszeit so tolle Fahrzeuge „ausführen“?

Als die Regierung im November den Lockdown Light beschließt und der PS.SPEICHER zum zweiten Mal schließen muss, geht für meine Kollegen und mich die Arbeit vorerst ganz normal weiter. Natürlich sollen wir zwecks drohender Kurzarbeit Überstunden und Urlaubstage abbauen aber gleichzeitig tun sich Aufgabenfelder auf, für die bisher keine Zeit gewesen ist.

Über zu wenig Arbeit kann ich mich nicht beschweren. Zusammen mit meiner Volontariatskollegin Cäcilia bereite ich mich auf einen Podcast für Volontäre der Museumsstiftung Post und Telekommunikation vor. Als Gäste sprechen wir in einer Episode über Medien, Technologie und Internet im PS.SPEICHER.

Gemeinsam mit Andrea, der FsJlerin meiner Abteilung, suche ich in der Erlebnisausstellung nach Patenschaftsobjekten. Denn auch wenn der PS.SPEICHER für Besucher geschlossen hat, können wir Mitarbeiter natürlich hinein. Cäcilia und ich filmen unseren Motorradkurator Andy für die neue Beacon Technologie im PS.Depot Motorrad und ich besuche einen Fotokurs. Projekte die ohne Corona so wohl erstmal zeitlich nicht möglich gewesen wären. Gleichzeitig stellt Corona mich aber vor eine größere Herausforderung.
 

Tschüss Hamburg

Die Veränderungen durch die Coronapandemie sind nicht nur bei den Arbeitsabläufen im Büro sichtbar, sondern beeinträchtigt auch meine Weiterbildung. Laut Plan der Volontärinnen und Volontäre ist im ersten Jahr ein vierwöchiger Kurs an einer Journalistenschule vorgeschrieben.

Ich entscheide mich bereits im Juli für die Akademie für Publizistik in Hamburg und ergattere einen Platz vom 04. bis 29. Januar 2021. Vier Wochen Hamburg, ich freue mich total. :-) Diese Vorfreude trübt sich schon relativ schnell ein, als sich herausstellt, dass sich Corona bedingt die ohnehin schwierige Wohnungssuche noch schwerer gestaltet. Ein WG-Zimmer in Hamburg für vier Wochen zu finden, nicht gerade leicht, schließlich wollen die Vermieter gerne jemanden, der ein ganzes Semester, zumindest aber drei Monate bleibt. Dazu noch die Verunsicherung, ob „man sich während Corona überhaupt eine fremde Person in die Wohnung holen will“, so die Aussagen auf den Wohnungsbörsen.

Meine Sorge keine Unterkunft zu finden, wächst von Woche zu Woche. Dann Mitte Oktober endlich eine positive Antwort auf meinen Gesuch. Anna aus Hamburg meldet sich bei mir. Sie möchte gerne ab Januar wieder mit der Untervermietung eines ihrer Zimmer starten. Wir telefonieren zweimal, sind uns sympathisch und einig. Puh, eine Sorge weniger. Doch noch während ich auf den Mietvertrag warte, beginnen die Zahlen der Infizierten wieder zu steigen und die Regierung beschließt den Lockdown Light. Meine Beunruhigung wird größer, ob ich es riskieren möchte, mitten in der zweiten noch heftigeren Coronawelle in einer Millionenstadt wie Hamburg, angewiesen auf öffentliche Verkehrsmittel, mit zwanzig Menschen in einem Seminarraum zu sitzen.

Die große Frage, ob das Seminar überhaupt stattfindet, vorgesehene Gruppenarbeiten gibt es mit Sicherheit nicht. Welche Inhalte sind Corona bedingt außerdem nicht durchführbar? Ist es überhaupt sinnvoll, mit diesen Einschränkungen und zu diesem Zeitpunkt an einer, für meine Ausbildung so wichtigen Weiterbildung, teilzunehmen?

Das mulmige Gefühl lässt sich nicht abschütteln und verstärkt sich täglich. Als ich im Briefkasten den Mietvertrag finde, habe ich gerade entschieden, das Risiko Hamburg nicht einzugehen. Ich sage die Weiterbildung ab und schicke den Vertrag ohne Unterschrift retour. Eine neue Chance im Sommer 2021. Das bedeutet natürlich auch eine neue nervenaufreibende Wohnungssuche und weitere Monate mit der Hoffnung, das dann mit dem Seminar alles klappt.