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Brooklands: Wie die erste Rennstrecke den Motorsport veränderte

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Mit Brooklands entsteht 1907 in Surrey eine Anlage, die für den frühen Motorsport eine neue Form des Rennens möglich macht. Während zuvor vor allem auf öffentlichen Straßen gefahren wird, bietet die neue Bahn erstmals einen eigens angelegten, geschlossenen Rundkurs für Rekordfahrten, Tests und Wettbewerbe für Automobile und Motorräder.


Historische Aufnahme mehrerer Wagen auf der steilen Betonkurve der Brooklands-Rennstrecke in England.
Mitglieder des Königlichen Englischen Automobil-Clubs auf der Brooklans-Rennstrecke bei der Eröffnung am 17. Juni 1907. Quelle: Allgemeine Automobil Zeitung, 1909, Nr. 26, S. 9.

Eine neue Idee für den frühen Rennsport

Verantwortlich dafür ist das britische Ehepaar Hugh Fortescue und Ethel Locke King. Inspiriert vom Renngeschehen und der Begeisterung der Zuschauenden bei der Targa Florio auf Sizilien und beim Großen Preis von Frankreich stößt Hugh Locke King die vergleichsweise zurückhaltende britische Rennsituation besonders auf. Weil der Motorsport auf öffentlichen Straßen in Großbritannien durch das Tempolimit von 32 km/h stark begrenzt ist, entsteht die Idee einer privaten Strecke. Da die Locke Kings nicht nur über die finanziellen Mittel, sondern auch über passende Ländereien verfügen, beginnen sie bei Weybridge, südwestlich von London, mit dem Bau einer eigenen Renn- und Teststrecke.


1907 eröffnet der Brooklands Racing Circuit als rund 5,2 Kilometer lange betonierte Strecke mit markanten Steilkurven. Hinzu kommen Boxenanlagen, ein Clubhaus und Tribünen für ein großes Publikum. Brooklands ist damit von Anfang an nicht nur Rennstrecke, sondern auch Testgelände und Zuschauerort.


Die Eröffnung 1907 und die ersten Rekorde

Die offizielle Eröffnung am 17. Juni 1907 sorgt für Aufmerksamkeit: Ethel Locke King führt in einem Itala-Wagen die Eröffnungsprozession über die Strecke an. Die Allgemeine Automobilzeitung schreibt über den ersten Tag auf der neuen Bahn:

„Die Ehren des ersten Tages gebührten in erster Linie dem unermüdlichen Racing Manager der Bahn, Mr. de Rodakowski, Mr. Locke-King, dem Gründer des Unternehmens, und nicht zu vergessen seiner liebenswürdigen Gemahlin, die die Honneurs für die Rennbahn machte und selber an ihrer Entstehung durch die aufopferndeste Tätigkeit beteiligt ist.“ – AAZ, 1907, Nr. 26, S. 54

Noch vor dem ersten offiziellen Rennen nutzt der bekannte Rennfahrer Selwyn Edge die neue Strecke für einen 24-Stunden-Rekordfahrt. Auf einem 60 PS Napier legt er 2.531 Kilometer zurück und erreicht dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 107,87 km/h. Dieser Rekord bleibt für 17 Jahre ungebrochen. Die Fahrt wird in den Zeitungen breit diskutiert und macht Brooklands schnell bekannt.


Historische Aufnahme eines offenen Benz-Rennwagens mit Fahrer Victor Hémery und Beifahrer bei einer Rekordfahrt.
Victor Hémery auf dem 200 PS Benz bei seiner Rekordfahrt in Brooklands 1909. Quelle: AAZ, 1909, Nr 47, S. 16.

Auch in den folgenden Jahren bleibt Brooklands ein Ort für Rekordfahrten. 1909 knackt der französische Rennfahrer Victor Hémery auf einem 200 PS Benz die 200 km/h-Marke und sorgt damit für besondere Aufmerksamkeit. Die Allgemeine Automobilzeitung berichtet im November, er habe auf der Brooklandsrennbahn ein regelrechtes "Blutbad" unter den bestehenden Rekorden angerichtet. Bei der halben englischen Meile erzielt er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 205,11 km/h. Damit erreicht er ein Tempo, das laut Zeitung zuvor in einem streng kontrollierten Rennen noch von keinem selbstbeweglichen Fahrzeug erzielt worden sei. Hémery sei so schnell gewesen, dass die genaue Zeitmessung Probleme gegeben habe.


Auch Rennfahrerinnen sind in Brooklands auf der Strecke zu finden: Die Allgemeine Automobilzeitung kündigt 1908 die Teilnahme der britischen Rennfahrerin Dorothy Levitt mit einem 26 PS Napier bei einem Rennen in Brooklands an; im Januar des Folgejahres berichtet sie über Edith Paterson, die in Brooklands auf einem 16 PS Imperia 53 Meilen in einer Stunde zurückgelegt habe. Zudem stehen separate Frauenrennen auch im Zusammenhang mit dem Interesse der Marken an zusätzlicher Öffentlichkeit. In den 1920er Jahren wird Brooklands dann zu einem wichtigen Ort für den weiblichen Motorsport, unterstützt durch den Ladies Automobile Club.


Rennen, Tests und technische Entwicklung

Das erste offizielle Rennen findet am 6. Juli 1907 statt. Da es für eigens gebaute Automobilrennstrecken keine Vorbilder gibt, orientiert man sich bei der Organisation zum Teil an Pferderennen. Sieger wird J. E. Hutton auf einem Mercedes 120 PS Grand-Prix-Rennwagen. Zwei Jahre später wird zusätzlich ein Testhügel aufgeschüttet, auf dem Hersteller ihre Fahrzeuge unter verschiedenen Bedingungen erproben können. Brooklands entwickelt sich damit nicht nur zu einer Rennstrecke, sondern auch zu einem wichtigen Ort für die technische Erprobung von Fahrzeugen.


Mit dem Ersten Weltkrieg wird der Rennbetrieb 1914 eingestellt. Das Gelände wird nun für die Luftfahrt genutzt, Flugzeuge werden dort getestet und später auch gebaut. Nach dem Krieg kehren die Rennen zwar zurück, aber die Strecke bleibt von da an beides: Rennbahn und Luftfahrtstandort.


Brooklands in den 1920er und 1930er Jahren

Ein Höhepunkt der späteren Jahre ist der 7. August 1926. An diesem Tag wird in Brooklands der erste offizielle Große Preis von Großbritannien ausgetragen. Dafür wird die Strecke eigens angepasst. In den 1930er Jahren kommt außerdem der Mountain Circuit hinzu, ein kürzerer Kurs von rund 1¼ Meilen, der zusätzliche fahrerische Anforderungen stellt. Gleichzeitig bekommt Brooklands Konkurrenz. Bis 1933 gibt es in Großbritannien keine vergleichbare Rennstrecke, dann tritt mit Donington Park ein neuer wichtiger Austragungsort hinzu.


In derselben Zeit zeigt sich aber auch, dass Brooklands an Grenzen stößt. Die Fahrzeuge werden immer schneller und leistungsstärker. Die Strecke, einst als modern und fortschrittlich gebaut, kann mit dieser Entwicklung nur noch bedingt mithalten. Selbst in den Steilkurven wird es für die Fahrer schwierig, die Wagen sicher auf der Bahn zu halten.


Das Ende der Strecke

1939 findet das letzte Rennen in Brooklands statt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Gelände stark beschädigt, und ein vollständiger Wiederaufbau der Rennstrecke bleibt aus. Heute existieren nur noch Teile der ursprünglichen Anlage. Sie stehen unter Denkmalschutz. Gleichzeitig erinnert ein aktives Museum an die Geschichte von Brooklands als Rennstrecke, Testgelände und Luftfahrtstandort.


Fazit

Auch wenn der Rennsport im PS.SPEICHER kein eigener Schwerpunkt ist, lassen sich Spuren dieser Entwicklung und einige modernere Rennfahrzeuge in der Sammlung AUTOMOBIL entdecken. Einen weiteren Anknüpfungspunkt bietet die Führung „Frau ans Steuer“ in der Erlebnisausstellung. Sie richtet den Blick auf Rennfahrerinnen wie Dorothy Levitt sowie auf weitere Frauen, die den Automobilismus als Pionierinnen, Abenteurerinnen oder Unternehmerinnen geprägt haben.

Mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten könnt ihr die Erlebnisausstellung und alle Sammlungen des PS.SPEICHER an einem Tag entdecken. Wer sich mehr Zeit für die Fahrzeuge, ihre Geschichten und die unterschiedlichen Themenwelten nehmen möchte, kann den Besuch mit dem 2-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten entspannt auf zwei Tage verteilen.



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