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Eier auf Rädern: Unser automobilistisches Osternest

  • 20. März
  • 4 Min. Lesezeit

Ostern heißt für viele: bunte Eier, erste Frühlingstage, vielleicht die erste Ausfahrt des Jahres. In unserem Fall kommt noch etwas dazu: Fahrzeuge, die selbst aussehen wie ein Ei – oder sogar so heißen.

Für Ostern 2026 haben wir deshalb ein kleines automobilistisches „Eiernest“ zusammengestellt. Einige dieser Fahrzeuge könnt ihr im PS.SPEICHER in der Erlebnisausstellung oder in den Sammlungen entdecken, andere erweitern den Blick auf die manchmal erstaunlich eiförmige Geschichte des Automobils. Kurz gesagt: Eier auf Rädern in vielen Varianten.


Warum eigentlich „Ei“?

Die Assoziation liegt nahe: runde Formen, glatte Karosserien, kompakte Abmessungen – viele Fahrzeuge wecken Erinnerungen an ein Ei. Mal ist es die Form, mal der Spitzname, mal sogar der offizielle Name.

Das Ei steht symbolisch für Neubeginn und Aufbruch – und genau darum geht es in der Automobilgeschichte oft: um Experimente, neue Antriebe und die Frage, wie klein, leicht oder aerodynamisch ein Fahrzeug sein kann. Unser Osternest führt euch von den 1900er-Jahren bis in die Gegenwart und zeigt, wie vielfältig „Eier auf Rädern“ sein können.


Gardner-Serpollet „Œuf de Pâques“: Das Oster-Ei auf Rekordfahrt

1902 sorgt Léon Serpollet mit seinem Dampf-Rennwagen für Aufsehen. Beim „Nice Speed Meeting“ stellt er mit dem Gardner-Serpollet einen neuen Geschwindigkeitsrekord für dampfbetriebene Autos auf. Das Fahrzeug trägt den Spitznamen „Œuf de Pâques“ – „Osterei“ –, weil seine ungewöhnlich runde, geschlossene Karosserie an ein Ei erinnert und der Rekordversuch zeitlich nah an Ostern liegt (13. April, Ostern war am 30. März 1902).


Schlör-Wagen: Das „Göttinger Ei“

Ein schwarz glänzendes, eiförmiges Modell des Schlör-Wagens steht auf einem roten Sockel in der PS.SPEICHER Sammlung Modellfahrzeuge; im Hintergrund sind ein weißes Porsche-Modell in einer Glasvitrine und eine beige Wand mit großen Fragen zur Faszination des Sammelns zu sehen.

Der Schlör-Wagen ist eines der radikalsten Aerodynamik-Experimente seiner Zeit. Er basiert auf Erkenntnissen der Strömungslehre, die der Ingenieur Ludwig Prandtl in Göttingen begründet. Der Ingenieur Karl Schlör (1910–1997) präsentiert das visionäre Fahrzeug 1938 auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin. Wegen seiner Form wird es auch „Göttinger Ei“ genannt.

Mit einem Strömungswiderstandskoeffizienten (Cw-Wert) von 0,186 – ein Wert, den selbst viele moderne Fahrzeuge nicht erreichen – gilt der Wagen als technisches Wunder. Er bleibt allerdings ein Prototyp.


L’Oeuf électrique: Das „elektrische Ei“

Mit dem „Oeuf électrique“ („elektrisches Ei“) entsteht 1942 ein besonders früher Elektrofahrzeug-Entwurf. Das ungewöhnliche Dreirad ist als emissionsfreies Stadtfahrzeug gedacht, mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 70 km/h und rund 100 Kilometern Reichweite.

Name und Gestaltung sind Programm: Die Fahrerkabine sitzt wie ein transparentes Ei auf dem Fahrgestell. Das Fahrzeug zeigt, dass Experimente mit Eiern auf Rädern nicht nur etwas mit Spaß an ungewöhnlichen Formen zu tun haben, sondern oft auch mit der Suche nach alternativen Antrieben und effizienter Stadtmobilität.


Brütsch Mopetta: Das kleinste „Ei-Auto“

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt Europa einen Boom von Kleinstwagen und Rollermobilen. Autos sind teuer, der Wunsch nach motorisierter Mobilität aber groß. Viele dieser Winzlinge erinnern an kleine Eier – und die Brütsch Mopetta gehört eindeutig dazu.

Zwischen 1956 und 1958 entstehen nur 14 Exemplare. Die Mopetta hat drei Räder, ist nur rund 1,70 Meter lang und wird von einem 2,3-PS-Mopedmotor angetrieben. Die rund gezogene Karosserie mit der tiefen Sitzposition lässt den Wagen fast wie ein buntes Osterei auf Rädern wirken. Ein typisches Beispiel dafür, wie sehr Form und Zweck zusammenfallen können: minimaler Platzbedarf, minimaler Verbrauch, maximale Auffälligkeit.



BMW Isetta: Das „Ei auf Rädern“

Ebenfalls zu den Rollermobilen gehört die BMW Isetta mit der markanten Fronttür und der rundlichen Karosserie. Wegen ihrer Größe und Form bekam sie viele Spitznamen – von "Knutschkugel", "Schlaglochsuchgerät" bis "rollendes Ei". In Südamerika wurde sie "Huevito" ("kleines Ei") genannt. Die Isetta war kompakt, sparsam und vor allem in engen Innenstädten praktisch. Gleichzeitig wirkte sie mit ihrer Form fast spielerisch und hob sich deutlich von klassischen Limousinen ab.


Fotografie einer BMW Isetta, eines rundlichen Kleinstwagens der 1950er-Jahre mit Fronttür, schräg von vorne aufgenommen und in einem Ausstellungsraum präsentiert.


VW Käfer: Das „Kraft-Ei“

1962 bewirbt Volkswagen den Käfer 1302 S in einer Anzeige als „Kraft-Ei“. Der Spitzname spielt gleich doppelt: Einerseits auf die typische, rundliche Käferform, andererseits auf die für damalige Verhältnisse beeindruckenden Fahrleistungen – 50 PS, bis zu 130 km/h.

Das „Kraft-Ei“ steht damit für ein Auto, das von außen vertraut und kompakt wirkt, innen aber mehr Technik und Tempo bietet, als man ihm auf den ersten Blick zutrauen würde.


Mazda 121 (Typ DB): Das Stadtei der 1990er

Der Mazda 121 Typ DB, gebaut von 1990 bis 1998, setzt konsequent auf runde Formen. Im Design sollte möglichst auf harte Kanten verzichtet werden – heraus kam ein Kleinwagen, der im Straßenbild auffiel und schnell Spitznamen wie „Ei“, „Käseglocke“ oder „Bubble Car“ bekam.

Gerade im Kontrast zu den kantigen Modellen der 1980er-Jahre wirkte der 121 fast spielerisch. Er zeigt, wie sich die Idee vom „Stadtei“ im Design wiederfinden kann: kompakt, freundlich, leicht zu überblicken – und deutlich anders als klassische Stufenheck-Limousinen.


Citroën Eggo: Designstudie in Eiform

2011 wird auf einer Designmesse in Kroatien der Citroën Eggo gezeigt. Designerin Damnjan Mitric entwirft ihre Vision eines Stadtautos der Zukunft: eiförmig, kompakt und elektrisch. Vier Radnabenmotoren sorgen für den Antrieb, Strom liefern Solarzellen auf dem Dach.

Die Bezeichnung „Eggo“ spielt auf die Fahrzeugform an, die nicht nur an ein Ei erinnert, sondern auch einen besonders guten Überblick aus dem Fahrzeug heraus bieten soll. In die Serienfertigung schafft der Eggo es nicht.


Hyundai E4U: Das Steh-Ei für die Stadt

Der Hyundai E4U ist eine besonders skurrile Studie für den Stadtverkehr. Das Gefährt erinnert an ein stehendes Ei, in dem eine Person aufrecht Platz findet. Angetrieben wird es elektrisch, gesteuert wird durch Gewichtsverlagerung ähnlich wie bei einem Segway.

Mit bis zu etwa 30 km/h ist der E4U eher Konzept als Alltagsfahrzeug. Er zeigt aber, wie weit sich die Idee vom Ei als Fahrzeugform bis in die heutige Mobilitätsforschung hineinzieht – von aerodynamischen Versuchen bis zu ultrakompakten Stadtlösungen.


Fazit: Ostern mal anders – Eier auf Rädern im PS.SPEICHER

Nicht alle genannten Fahrzeuge könnt ihr live bei uns sehen – aber einige davon bilden den Kern unseres automobilen Osternests:

  • BMW Isetta in der Erlebnisausstellung und in der Sammlung KLEINWAGEN

  • Brütsch Mopetta in der Sammlung KLEINWAGEN

  • Schlör-Wagen-Modell in der Sammlung MODELLFAHRZEUGE

Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte von Experimentierfreude, Platzmangel, Energiefragen und der Suche nach der passenden Form für neue Mobilität. In ihren Rundungen steckt mehr als nur Design: Sie stehen für Phasen, in denen sich Mobilität in kurzer Zeit stark verändert hat – vom Wirtschaftswunder über aerodynamische Versuche bis zu heutigen Konzepten kompakter Fahrzeuge.


Egal, ob ihr eher an Technik interessiert seid oder einfach Spaß an ungewöhnlichen Fahrzeugen habt: Es öffnet den Blick für spannende Zusammenhänge – und macht vielleicht Lust, beim nächsten PS.SPEICHER-Besuch euer eigenes „Osternest“ in der Ausstellung zu entdecken.



 
 
 
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