Träume verwirklichen und Grenzen überwinden: Was uns Graetz und Möhle heute noch zeigen
- 25. März
- 6 Min. Lesezeit

Es gibt Geschichten, die klingen so abgedreht, dass man sie für ein Drehbuch halten könnte – bis man merkt, dass sie tatsächlich passiert sind. Die Geschichte der Afrikaquerung Paul Graetz gehört dazu. Ein Offizier, der Anfang des 20. Jahrhunderts beschließt, mit einem Automobil von Ost nach West durch Afrika zu fahren, und wenige Jahre später den Kontinent mit einem Motorboot queren will – das wirkt aus heutiger Sicht wie eine Mischung aus Pioniergeist, Sturheit und Experimentierfreude.
Gleichzeitig zeigt diese Geschichte sehr deutlich, wie eng technische Träume, koloniale Realitäten und die Unterstützung unzähliger Menschen vor Ort miteinander verbunden waren. Und sie erklärt, warum jemand wie der Afrika-Reisespezialist Carsten Möhle mehr als hundert Jahre später so viel Zeit und Energie investiert, um genau diese Expeditionen zu erforschen, zu dokumentieren und bei Vorträgen im PS.SPEICHER in Einbeck wieder lebendig werden zu lassen.
Was können wir heute aus Paul Graetz’ Afrikaquerung und Carsten Möhles Arbeit lernen – über Träume, Grenzen und Verantwortung?
Ein Traum zwischen Mondfahrt und Staubpiste
Als Paul Graetz 1907 mit seinem speziell konstruierten 35-PS-Wagen der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau von Daressalam aus startet, halten viele sein Vorhaben für komplett unrealistisch. Zeitungen vergleichen die geplante Afrikaquerung Paul Graetz mit einer Reise zum Mond, weil es im Landesinneren weder Benzin, noch Ersatzteile, noch Werkstätten gibt.
Trotzdem fährt Graetz los. 630 Tage lang kämpft er sich mit seinem Fahrzeug durch Deutsch-Ostafrika, Regionen im heutigen Tansania, Sambia, Botswana, Südafrika und Namibia. Er überquert Flüsse, lässt Brücken reparieren oder improvisieren, verliert Chauffeure, erleidet Rückschläge, verzweifelt an Hitze, Technik und Bürokratie – und erreicht 1909 tatsächlich Swakopmund am Atlantik.
Schon damals ist die Botschaft seiner Reiseberichte klar: Träume sind nur so lange „unmöglich“, bis jemand anfängt, sie auszuprobieren. Graetz schreibt später, sein Ziel sei gewesen, zu beweisen, dass motorisierte Fahrzeuge in Afrika als Transportmittel eingesetzt werden können – eine Idee, die aus heutiger Sicht ambivalent wirkt, aber damals als Fortschritt galt.
Wenige Jahre später folgt der nächste Schritt: die Motorboot-Expedition von 1911/12. Diesmal will Graetz Afrika per Boot vom Indischen Ozean zum Atlantik durchqueren. Er lässt die „Sarotti“ bauen, ein Motorboot, das notfalls auf Räder gesetzt und über Land gezogen werden kann – eine Konsequenz aus den mühsamen Fluss- und Seenquerungen der Autofahrt. Auch diese Reise scheitert zwischendurch, wird neu gestartet und schließlich in zwei Etappen vollendet.
Was bleibt, ist ein Muster, das uns heute noch vertraut vorkommt: Ein Mensch setzt sich ein Ziel, das andere für verrückt halten. Er bricht auf, scheitert teilweise, beginnt neu, passt seinen Plan an – und zeigt damit, dass Träume selten geradlinig verlaufen.
Ohne Träger kein Triumph: Die „unsichtbare“ Crew der Afrikaquerung
Bei aller Faszination für den Mut und die Hartnäckigkeit der Afrikaquerung Paul Graetz wäre es jedoch zu einfach, nur den „einsamen Pionier“ im Auto oder im Boot zu sehen. Schon ein Blick in die Quellen zeigt, wie viele Menschen an diesen Expeditionen beteiligt waren: Träger, Dolmetscher, Handwerker, Köchinnen, Bootsführer, lokale Autoritäten, die Wege öffneten oder schlossen.
Die Stevenson Road, über die die „Sarotti“ rund 240 Kilometer auf Rädern gezogen wird, ist kein neutraler „Abenteuerpfad“, sondern Teil einer kolonialen Infrastruktur, die europäische Interessen im Inneren des Kontinents sichern sollte. Ohne die Arbeitskraft von rund sechzig Männern, die das Boot über Hügel und durch Sumpfgebiete schleppen, wäre die Motorbootquerung schlicht nicht denkbar gewesen.
In der Rückschau wird deutlich: Die Afrikaquerung von Paul Graetz war nie ein Solo-Projekt. Sie war eingebettet in Machtstrukturen, Abhängigkeiten und Rollenverteilungen, die wir heute kritisch betrachten müssen. Graetz war Offizier, Europäer, Expeditionsleiter – mit Privilegien, die andere nicht hatten.
Gerade deshalb ist es wichtig, die Leistungen der „unsichtbaren“ Crew mitzudenken: der einheimischen Träger und Helfer, der Fahrer und Mechaniker, der Menschen, die Orte, Wasserstellen und Durchgänge kannten und ohne die der Traum von der Afrikaquerung am ersten Fluss gescheitert wäre.
Wenn wir heute im PS.SPEICHER oder bei einem Vortrag der FörderFreunde PS.SPEICHER über diese Expeditionen sprechen, gehört dieser Blick mit dazu: Faszination ja, aber nicht ohne die Frage, wer den Preis für solche Träume bezahlt hat.
Mut, Durchhaltevermögen, Kreativität – und die Schatten der Geschichte
Was macht die Afrikaquerung Paul Graetz im Jahr 2025 oder 2026 noch relevant? Ein Teil der Antwort liegt in den Eigenschaften, die wir mit solchen Expeditionen verbinden: Mut, Durchhaltevermögen, Improvisationskunst.
Graetz muss während seiner Reisen immer wieder improvisieren. Wenn Benzin verdunstet, werden Zwischenlager eingerichtet. Wenn Achsen brechen, werden sie vor Ort repariert. Wenn Flüsse keine Brücken haben, entstehen Fähren, Rampen oder Stege, die manchmal mehrmals zusammenbrechen, bevor sie halten.
Gleichzeitig tragen seine Texte den Blick eines Mannes, der in kolonialen Strukturen sozialisiert ist und Afrika aus einer klar europäischen Perspektive beschreibt. Viele seiner Formulierungen und Bilder würden wir heute zu Recht kritisch sehen. Dass wir diese Widersprüche wahrnehmen, ist kein Widerspruch zur Faszination – im Gegenteil. Es macht die Beschäftigung mit der Afrikaquerung Paul Graetz interessanter, weil sie uns zwingt, genauer hinzusehen: Was bedeutet es, Träume zu verwirklichen, wenn sie auf Ungleichheit und Machtgefälle aufbauen?
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen aus dieser Geschichte: Grenzen zu überwinden ist nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist, wie man es tut, wen man mitnimmt, wer mitentscheiden darf – und wer in den Erzählungen später vorkommt.
Carsten Möhle: Spurensucher zwischen Archiv und Staubpiste

Hier kommt Carsten Möhle ins Spiel. Der Safari-Veranstalter lebt in Namibia, leitet das Unternehmen Bwana Tucke-Tucke und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Afrikaquerung von Paul Graetz – sowohl mit dem Auto als auch mit dem Motorboot.
Auf seiner Seite www.bwana.de dokumentiert er nicht nur seine Reisen, sondern auch Erinnerungsfahrten entlang der historischen Route, bei denen moderne Geländewagen auf Spuren des Gaggenau-Autos unterwegs sind.
Noch deutlicher wird seine Rolle als Forscher auf der eigens von ihm dafür angelegten Projektseite www.paulgraetz.de. Dort hat er in jahrelanger Arbeit Quellen zusammengetragen: Faksimiles der alten Bücher „Im Auto quer durch Afrika“ und „Im Motorboot quer durch Afrika“, zeitgenössische Presseberichte, Karten, Fotos, Blogbeiträge zu Detailfragen wie „Wo ist das Afrikadurchquerungsautomobil?“ oder der Entstehung einer Gedenk-Briefmarke.
2007 stößt er im Keller des ehemaligen Hauses von Paul Graetz in Lübeck-Travemünde zusammen mit Graetz’ Tochter Uta Graetz-Africana auf eine lange verschollen geglaubte Filmrolle. Die Aufnahmen dokumentieren die Motorboot-Expedition und gelten heute als eines der wichtigsten filmischen Zeugnisse zur Reise – gerade weil es insgesamt nur sehr wenige erhaltene Filmminuten aus dem tropischen Afrika vor dem Ersten Weltkrieg gibt.
Viele Details, die wir heute zur Afrikaquerung von Paul Graetz und den Bootsexpeditionen nachlesen können, sind in dieser Form nur zugänglich, weil jemand wie Möhle sie recherchiert, geordnet und veröffentlicht hat. Er macht das nicht als akademischer Historiker, sondern als Spurensucher, der Archive, Nachlasskisten und reale Landschaften miteinander verbindet.
Wenn er für einen Vortrag ohne Honorar nach Einbeck kommt, dann, weil ihm diese Geschichte am Herzen liegt – und weil er möchte, dass ihr euch ein eigenes Bild machen könnt: von der Faszination, aber auch von den Fragezeichen, die solche Expeditionen heute mit sich bringen.
Der PS.SPEICHER als Bühne für Träume und Fragen
Warum passt die Afrikaquerung Paul Graetz so gut in den PS.SPEICHER?
Der PS.SPEICHER ist nicht nur ein Ort für Oldtimer, Chrom und technische Daten, sondern ein Erlebnismuseum, das Mobilität als Teil von Geschichte und Gesellschaft erzählt. Hier trefft ihr auf Fahrzeuge, die Menschen Freiheit versprachen, auf Motorräder, die die Freizeitkultur verändert haben, auf Kleinwagen, die den Alltag nach dem Krieg prägten – und auf Geschichten, in denen Technik immer auch ein Spiegel ihrer Zeit ist.
Die Vorträge von Carsten Möhle fügen sich genau in dieses Bild ein. Sie zeigen, dass ein Auto oder ein Motorboot nicht nur ein Objekt aus Holz, Metall und Technik ist, sondern ein Werkzeug, mit dem Menschen ihre Träume von Geschwindigkeit, Ferne oder Erfolg verwirklichen wollen.
Die FörderFreunde PS.SPEICHER e.V. sorgen mit ihrem Engagement dafür, dass solche Formate möglich werden. Sie organisieren Abende, an denen ihr nicht nur etwas über Motoren lernt, sondern auch über den Kontext, in dem sie eingesetzt wurden. Damit tragen sie dazu bei, dass der PS.SPEICHER ein Ort bleibt, an dem man über Mobilität sprechen, staunen, aber auch diskutieren kann.
Was wir heute aus der Afrikaquerung Paul Graetz mitnehmen können
Was also bleibt, wenn ihr nach einem Vortrag zur Afrikaquerung Paul Graetz im PS.SPEICHER wieder in euer eigenes Auto steigt?
Vielleicht die Erkenntnis, dass Träume selten bequem sind. Graetz’ Projekte waren riskant, anstrengend, manchmal lebensgefährlich. Ohne Mut, Ausdauer und viel Improvisation wäre er nicht weit gekommen. Gleichzeitig brauchte er die Unterstützung vieler Menschen, die ihm Wege zeigten, Lasten trugen, Boote zogen oder Informationen weitergaben.
Vielleicht bleibt auch das Bewusstsein, dass Fortschritt nicht neutral ist. Die Geschichte der motorisierten Afrikaquerung ist untrennbar mit der Geschichte des Kolonialismus verbunden. Technik kann Wege eröffnen, aber auch Machtverhältnisse verfestigen.
Und vielleicht nimmt ihr etwas mit, das näher an eure eigene Lebenswelt heranrückt: Dass es sich lohnt, große Ideen nicht direkt als „Mondfahrt“ abzutun, sondern ihnen eine Chance zu geben. Dass man Hilfe annehmen darf und Grenzen nicht alleine verschieben muss. Und dass Geschichten wie die von Graetz und Möhle nicht nur Vergangenes erzählen, sondern uns auch fragen: Welche Träume verfolgt ihr – und wie geht ihr mit den Grenzen um, die ihr dabei überschreitet?
Wenn ihr Lust habt, euch diesen Fragen zu stellen, lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Veranstaltungen im PS.SPEICHER und das Programm der FörderFreunde PS.SPEICHER. Vielleicht sitzt ihr schon beim nächsten Vortrag von Carsten Möhle in der PS.Halle – und merkt, dass zwischen einer staubigen Piste in Deutsch-Ostafrika und euren eigenen Plänen gar nicht so viel Abstand liegt, wie es auf den ersten Blick scheint.




The challenge begins after the jump, not before it. Wacky Flip focuses entirely on what happens midair. The character spins freely, ignoring your intentions. You watch closely, tracking every rotation. The platform approaches faster than expected. You must choose the exact moment to stop. A good decision results in a clean landing. A bad one causes instant collapse. The ragdoll system exaggerates every fall. Some jumps feel forgiving. Others demand precision. Each level changes the rhythm. You learn by doing.
Retro Bowl College made me nervous every time my opponent had the ball late in the game. Protecting a lead felt harder than scoring.