Über 100 Jahre Elektromobilität: Fünf Fahrzeuge aus der Sammlung ELEKTROFAHRZEUGE im PS.SPEICHER
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Am 5. Juni ist Tag der Umwelt. Ein passender Anlass, auf ein Thema zu schauen, das viel älter ist, als es heute oft wirkt: Elektromobilität. In der Sammlung ELEKTROFAHRZEUGE im PS.SPEICHER lässt sich ihre Entwicklung über mehr als 100 Jahre verfolgen. Das älteste Fahrzeug stammt von 1912, das jüngste von 2014. Dazwischen liegen ganz unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wie lässt sich Mobilität mit Strom organisieren?
Schon am Ende des 19. Jahrhunderts wird mit elektrischen Fahrzeugen experimentiert. Gustave Trouvé präsentiert 1881 ein elektrisches Dreirad, Magnus Volk verkauft ab 1887 in Brighton ein elektrisch angetriebenes Dreirad, und Andreas Flocken entwickelt 1888 das erste vierrädrige Elektroautomobil Deutschlands. Damals ist noch keineswegs entschieden, welcher Antrieb sich durchsetzen wird. Gerade im Stadtverkehr hat das Elektrofahrzeug zunächst klare Vorteile: Es ist leise, sauber und sofort fahrbereit. Man muss es weder anheizen noch ankurbeln. Deshalb findet man den elektrischen Antrieb früh bei Personenwagen, Taxis, Bussen, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Sogar bei Rekorden spielt er eine Rolle: 1899 überschreitet Camille Jenatzy mit einem Elektrofahrzeug erstmals die Marke von 100 km/h.
Am Beispiel von fünf Fahrzeugen aus der Sammlung ELEKTROFAHRZEUGE zeigen wir euch. wie unterschiedlich diese Geschichte weitergeht. Diese Sammlung ist einTeil der Sammlung KLEINWAGEN Altendorfer Tor 3, 37574 Einbeck.
Detroit Electric von 1912: Stadtverkehr ohne Lärm und Kurbel

Der Detroit Electric gehört in eine Zeit, in der Elektroautos als moderne Stadtfahrzeuge gelten. Unter der Marke Detroit Electric werden in den USA zwischen 1909 und 1927 Elektrofahrzeuge gebaut. In den 1910er- und 1920er-Jahren zählen sie zu den meistgekauften Elektrowagen des Landes.
Hersteller ist die Anderson Carriage Company in Detroit, deren Wurzeln im Kutschenbau liegen. Bereits ab 1908 gibt es den Detroit Electric als geschlossenes „inside drive Coupé“, also als komfortables Elektrofahrzeug für wohlhabende Kundschaft. Gerade diese geschlossene Bauweise macht den Wagen attraktiv. Er wird oft als elegantes Stadtfahrzeug für Damen beworben: sauber, leise und einfach zu bedienen. Statt eines Lenkrads besitzt er eine hochklappbare Lenkstange, die durch einen Schlitz in der Front des Aufbaus geführt wird.
Mit einem Preis von 2.400 Dollar ist der Detroit Electric allerdings kein Auto für die breite Masse. Im Rekordjahr 1914 verkauft Anderson 4.669 Fahrzeuge. Danach gehen die Stückzahlen deutlich zurück. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Benzinrationierung gewinnen die Verbrenner in den USA wieder an Boden.
Hansa-Lloyd DL5 von 1923: Strom für Arbeit und Versorgung

Dass Elektromobilität lange nicht nur eine Frage des Personenwagens ist, zeigt der Hansa-Lloyd DL5. Gerade im Nutzfahrzeugbereich sind elektrische Antriebe über Jahrzehnte verbreiteter, als man heute oft vermutet.
Unter der Bremer Marke Hansa-Lloyd werden ab 1914 Lastwagen bis zu 10 Tonnen Nutzlast gebaut, wahlweise mit Benzin- oder Elektromotoren. Dazu kommen Schlepper und Spezialfahrzeuge. In den 1920er- und 1930er-Jahren gehören solche Nutzfahrzeuge durchaus zum Straßenbild. Auch Elektrowagen für die Reichspost entstehen. Mitte der 1930er Jahre umfasst das Programm mehrere elektrische Modelle mit Reichweiten von 60 bis 70 Kilometern bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h.
Gerade für feste Routen, den Stadtverkehr und Arbeitsfahrzeuge ist das eine praktikable Lösung. Der Hansa-Lloyd erinnert daran, dass Elektromobilität lange vor allem dort eingesetzt wird, wo Zuverlässigkeit und einfacher Betrieb wichtiger sind als große Reichweiten.
Henney Kilowatt von 1960: ein neuer Versuch Ende der 1950er Jahre

Nach den frühen Elektroautos und den elektrischen Nutzfahrzeugen der Zwischenkriegszeit folgt kein geradliniger nächster Schritt. Nach dem Zweiten Weltkrieg rückt Elektromobilität zunächst wieder stärker in den Blick, nicht zuletzt wegen der Knappheit von Benzin und Diesel in der Nachkriegszeit. In den USA setzt zwischen 1945 und 1975 vielmehr ein regelrechter Tüftlerboom ein: Einige Firmen bieten Umbauten von Benzinfahrzeugen zu Elektromobilen an, andere arbeiten an eigenen Neuentwicklungen. In diesen Zusammenhang gehört auch der Henney Kilowatt, der Ende der 1950er Jahre auf Basis der Renault Dauphine entsteht.
100 Karosserien werden bei Henney mit elektrischer Technik ausgestattet, verkauft werden am Ende allerdings nur 47 Exemplare. Der Henney Kilowatt ist damit eines der seltensten Elektroautos der Zeit. Im ersten Jahr ist das Fahrzeug mit 36 Volt ausgestattet und kommt auf eine Reichweite von rund 64 Kilometern. Die späteren Fahrzeuge des Jahrgangs 1960 arbeiten mit 72 Volt, erreichen knapp 100 km/h und kommen nahe an die 100-Kilometer-Marke heran. Mit einem Kaufpreis von 3.600 Dollar ist der Wagen allerdings kein Schnäppchen. Verkauft werden die Fahrzeuge vor allem an Elektrokonzerne.
Der Henney Kilowatt macht deutlich, woran viele elektrische Personenwagen dieser Zeit scheitern: Die Technik funktioniert grundsätzlich, aber hohe Kosten und geringe Stückzahlen verhindern eine größere Verbreitung.
Sebring-Vanguard CitiCar von 1975: das Elektroauto der Ölkrise

Die Ölkrise von 1973 bringt das Elektroauto erneut ins Gespräch. In diesem Klima entsteht in den USA das Sebring-Vanguard CitiCar. Es ist ein radikal reduzierter Kleinstwagen für kurze Wege.
Mit über 4.000 verkauften Exemplaren wird das CitiCar zum meistverkauften Elektrofahrzeug der USA, bis es erst 2012 vom Tesla Model S abgelöst wird. 1976 macht es Sebring-Vanguard zeitweise sogar zum sechstgrößten Automobilhersteller des Landes. Trotzdem bleibt das CitiCar ein Nischenprodukt. Seine Reichweite liegt bei rund 65 Kilometern, es ist also klar auf den Stadtverkehr ausgelegt. 1977 endet die Produktion, später folgt mit dem Comuta-Car ein eng verwandter Nachfolger.
Das CitiCar steht in der Sammlung deshalb für einen Moment, in dem das Elektroauto als pragmatische Antwort auf knappe Ressourcen und steigende Kraftstoffpreise begriffen wird.
Peel P50 Elektro von 2014: Elektromobilität als radikale Verkleinerung
Am jüngsten Ende der Sammlung steht der Peel P50 Elektro von 2014. Auch dieses Fahrzeug ist kein typisches Alltagsauto, sondern eher eine zugespitzte Idee davon, wie klein Mobilität werden kann.

Das Original des Peel P50 entsteht 1961 auf der Isle of Man und gilt als kleinstes Serienauto der Welt. 2008 wird das Modell neu aufgelegt, nun auch in einer Elektroversion. Das hier gezeigte Exemplar mit E-Motor wird 2014 gefertigt. Der Preis liegt bei umgerechnet rund 9.500 Euro, als Selbstbauvariante bei etwa 7.100 Euro.
Über 100 Jahre Elektromobilität im PS.SPEICHER
Zwischen dem Detroit Electric von 1912 und dem Peel P50 Elektro von 2014 liegen mehr als 100 Jahre. Dazwischen stehen in der Sammlung sehr unterschiedliche Fahrzeuge: das frühe Stadtcoupé, das elektrische Nutzfahrzeug, der seltene Umbau der späten 1950er Jahre, der Ölkrisen-Kleinwagen und das konsequent verkleinerte Elektrofahrzeug der Gegenwart.
Gerade in dieser Zusammenschau wird sichtbar, dass Elektromobilität nie einfach verschwunden ist. Sie taucht immer wieder auf, wenn sich technische Möglichkeiten verändern oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen verschieben. Mal geht es um Komfort, mal um Arbeit, mal um Energieknappheit, mal um neue Vorstellungen von Stadtverkehr.
Mit dem Tagesticket auf Entdeckungsreise durch die Fahrzeugwelten des PS.SPEICHER
Wer die Geschichte der Elektromobilität im PS.SPEICHER entdecken möchte, kann den Besuch ideal mit dem neuen PS.SPEICHER Tagesticket verbinden. Die Sammlung ELEKTROFAHRZEUGE ist Teil der Sammlung KLEINWAGEN und zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig elektrische Antriebe bereits seit über 100 Jahren genutzt werden.
Mit dem Tagesticket könnt ihr euren Besuch flexibel gestalten und neben den Elektrofahrzeugen auch die weiteren Fahrzeugwelten des PS.SPEICHER erkunden. Von historischen Motorrädern über klassische Automobile bis hin zu Nutzfahrzeugen und Modellfahrzeugen eröffnet sich ein umfassender Blick auf die Entwicklung der Mobilität. So wird aus dem Besuch der Sammlung KLEINWAGEN ein abwechslungsreicher Tagesausflug, bei dem ihr unterschiedliche Epochen, Antriebskonzepte und Fahrzeugideen miteinander vergleichen könnt.
Gerade rund um den Tag der Umwelt bietet sich die Gelegenheit, nicht nur die Geschichte der Elektromobilität kennenzulernen, sondern auch zu entdecken, wie vielfältig Mobilität in den vergangenen mehr als 200 Jahren gedacht wurde.
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