top of page

Gunhild Liljequist: Wie Tennis, Schmuck und Blumen VW-Sondermodelle inspirierten

  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 28 Minuten

Detailaufnahme einer roten Fahrzeugoberfläche mit schwarzem floralen Dekor aus geschwungenen Linien und stilisierten Blättern.
Blumendekor des "Samtroten Sonderkäfers" (C) PS.SPEICHER

Wer sich mit Volkswagen-Sondermodellen beschäftigt, stößt früher oder später auf den Namen Gunhild Liljequist. In ihrer Zeit über 20-jährigen Tätigkeit bei VW war sie an mehreren Sondermodellen beteiligt und brachte gestalterische Impulse ein, die bis heute bemerkenswert wirken. Wie kam Gunhild Liljequist auf Ihre Gestaltungsideen? Eins vorneweg, die Vorlagen für ihre Entwürfe lagen nicht nur auf dem Zeichentisch.


Warum Sondermodelle für Volkswagen wichtig waren

Sondermodelle sind in der Automobilgeschichte ein bewährtes Mittel, um bestehende Fahrzeuge neu zu inszenieren. Sie sorgen dafür, dass ein Modell zum passenden Zeitpunkt noch einmal besondere Aufmerksamkeit erhält. Das kann bei einem Jubiläum sein, beim Wechsel auf eine neue Modellgeneration oder im Rahmen einer Verkaufsaktion. Meist unterscheiden sich Sondermodelle durch ihre Ausstattung, ihre Farbgebung, ihr Materialkonzept oder kleine gestalterische Besonderheiten von der Serie.



Frau malt lächelnd an der Staffelei vor rotem Fenster; auf Leinwand Pflanzenmotiv, auf Kanne steht 800 ccm.

Der Weltmeister-Käfer: Ein Weltereignis wird zur Gestaltungsaufgabe

Ein besonders bekanntes Beispiel ist der VW Käfer 1302 S „Weltmeister“. Der Name führt heute leicht in die Irre, denn mit Fußball hatte dieses Fahrzeug nichts zu tun. Der Hintergrund war ein anderer: ein Meilenstein in der internationalen Automobilgeschichte.


Am 17. Februar 1972 lief der 15.007.034. Käfer vom Band. Damit überholte der Käfer das Ford Model T als bis dahin meistgebautes Auto der Welt. Dieser Moment sollte sichtbar gefeiert werden. Für Volkswagen bedeutete das auch: Das passende Sondermodell musste diesem Anlass gerecht werden.

Hier kommt Gunhild Liljequist beziehungsweise die Abteilung, in der sie arbeitete, ins Spiel. Für diesen besonderen Käfer wurde ein außergewöhnlicher Farbton gesucht. Die Wahl fiel auf „Marathon metallic“, ein helles Eisblau. Dieser Farbton sollte im Blitzlicht der vielen Fotografen glänzen und schimmern. Die Farbe war also nicht nur schön, sondern bewusst auf den öffentlichen Moment der Präsentation abgestimmt.


Der Jeans-Käfer: Als Alltagsmode zur Fahrzeugidee wurde

Noch direkter aus dem Alltag entstand der Jeans-Käfer. Nach den vorliegenden Informationen geht die Idee auf eine Praktikantin namens Lisa zurück, die durch das Tragen einer Jeans auf den Stoff aufmerksam machte. Für Gunhild Liljequist war das offenbar der entscheidende Impuls, um über Sitzbezüge aus Jeansstoff nachzudenken.


Der samtrote Sonderkäfer: Stimmung durch Farbe

Auch der samtrote Sonderkäfer passt in dieses Bild. Schon die Bezeichnung macht deutlich, dass es hier um mehr ging als um einen einfachen Rotton. „Samtrot“ ist ein Farbname mit Materialwirkung. Er klingt weich, tief und bewusst gesetzt. Das zeigt erneut, wie Gunhild Liljequist Farben offenbar verstand: nicht technisch, sondern atmosphärisch.

Selbst wenn in den vorliegenden Angaben nicht alle Einzeldetails überliefert sind, lässt sich hier eine klare Linie erkennen. Sondermodelle sollten durch Farbe und Material eine besondere Stimmung erzeugen. Gerade das samtroten Konzept verweist auf eine Gestaltung, die mit Assoziationen arbeitet. Das Auto sollte nicht nur auffallen, sondern auch eine bestimmte Anmutung transportieren.


Golf Match: Der Tennishype als Inspirationsquelle

Ein besonders anschauliches Beispiel für Zeitgeist als Inspirationsquelle ist der Golf Match. Laut den vorliegenden Informationen fielen Gunhild Liljequist beim Lesen der Auftragsbeschreibung sofort Boris Becker und Steffi Graf ein. Beide hatten in dieser Zeit eine enorme mediale Präsenz. Tennis war nicht nur Sport, sondern gesellschaftliches Gesprächsthema. Viele Menschen interessierten sich dafür, und genau das machte den Trend auch für ein Sondermodell interessant.

Hier zeigt sich eine besondere Stärke von Gunhild Liljequist: Sie nahm nicht nur Gestaltungstrends wahr, sondern auch kulturelle Entwicklungen. Der Tennishype war eine Stimmung der Zeit. Indem sie diese Entwicklung aufgriff, entstand ein Sondermodell, das für seine Gegenwart sprach.

Das Design des Golf Match traf laut den Angaben sowohl den Nerv der Zeit als auch ihren persönlichen Geschmack. Sie besaß selbst einen Golf Match. Das macht den Entwurf greifbar. Er war für sie nicht bloß eine abstrakte Aufgabe, sondern offenbar auch etwas, womit sie sich identifizieren konnte.

Interessant ist außerdem ihr späterer kritischer Blick auf das Ergebnis. Mit dem weißen Teppich war sie im Nachhinein nicht zufrieden, weil der Fußraum schnell unansehnlich wirkte. Das ist ein aufschlussreiches Detail. Es zeigt, dass Gestaltung für sie nicht nur vom ersten Eindruck lebte. Ein Sondermodell musste sich auch im Alltag bewähren. Selbst dort, wo eine Idee gestalterisch passte, blieb die praktische Nutzung ein Maßstab.

Der Golf Match steht damit für eine weitere Inspirationsquelle von Gunhild Liljequist: gesellschaftliche Trends und populäre Themen.


Das Golf-Cabrio Etienne Aigner: Ein Armband wird zum Farbkonzept

Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte hinter dem VW Golf-Cabrio „Etienne Aigner“. Volkswagen kooperierte hier mit einem Luxuslabel. Entstehen sollte ein sportlich-elegantes Cabrio, das den Anspruch der Marke transportiert. Die interne Devise lautete: „Alles nur vom Feinsten.“

Für Gunhild Liljequist bedeutete das zunächst eine klare Richtung. Das Fahrzeug sollte klassisch, eher gedeckt, elegant, schlicht und zeitlos wirken. Damit begann der Entwurf bereits mit einer genauen Vorstellung vom Charakter des Modells. Doch die eigentliche gestalterische Idee entstand in einem ganz beiläufigen Augenblick.

Als sie nach ihrer Kaffeetasse griff, fiel ihr Blick auf ihr Armband. Es handelte sich um ein schmales Goldarmband mit kleinen Edelsteinen: Smaragd, Saphir und Rubin. Zunächst sollte wohl nur eine dieser Farben das Aigner-Logo prägen. Doch Gunhild Liljequist stellte sich eine einfache Frage: Warum nur eine? Sie schlug vor, alle drei Farben in das Konzept aufzunehmen.

Gerade dieser Moment zeigt sehr schön, wie sie dachte. Inspiration musste nicht spektakulär sein. Sie konnte in einem kleinen Gegenstand liegen, wenn dieser eine überzeugende gestalterische Idee auslöste. Aus einem Schmuckstück wurde so ein Farbkonzept für ein Sondermodell.

Auch bei der Materialfrage dachte sie konsequent weiter. Das Aigner-Logo in Hufeisenform sollte im Innenraum sichtbar, aber nicht aufdringlich erscheinen. Ein Versuch mit Veloursstoff überzeugte nicht, weil das Logo kaum erkennbar war. Deshalb entschied sie sich für Jacquard, einen hochwertigeren Stoff, der bei VW in diesem Zusammenhang offenbar neu war. Diese Wahl machte das Fahrzeug teurer, passte aber zur Grundidee des Modells.

Die Farbnamen „Bordeaux perleffekt“, „mangrovengrün metallic“ und „midnightblue perleffekt“ unterstreichen die hochwertige Ausrichtung zusätzlich. Dass Gunhild Liljequist zur Präsentation ausgerechnet das Armband trug, das die Idee ausgelöst hatte, wirkt fast wie ein kleiner Kommentar auf ihren Arbeitsprozess.

Dieses Sondermodell zeigt besonders klar: Persönliche Beobachtungen konnten bei Gunhild Liljequist direkt in professionelle Gestaltung übergehen.

Die Sonderausstellung und alle Fahrzeugwelten mit einem Ticket entdecken

Wer nach der Geschichte Lust bekommen hat, diese Sonderausstellung selbst zu sehen, kann den Besuch ideal mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten verbinden. Damit habt ihr die Freiheit, euren Tag ganz nach euren Interessen zu gestalten.

Neben der Sonderausstellung könnt ihr auch die Erlebnisausstellung sowie alle anderen Sammlungen des PS.SPEICHER besuchen. So wird sichtbar, wie sich Fahrzeugdesign, Technik und Mobilität über mehr als 200 Jahre entwickelt haben. Vom Käfer über den Golf bis hin zu Motorrädern, Kleinwagen, Nutzfahrzeugen und vielen weiteren Fahrzeugen erlebt ihr Mobilitätsgeschichte nicht nur anhand einzelner Exponate, sondern im großen Zusammenhang.

Ältere Frau in weißem Blazer steht neben offenem roten VW Käfer vor Wohnhäusern und Bäumen, sonnige ruhige Szene

Gerade bei Themen wie den Sondermodellen von Volkswagen lohnt sich dieser Blick über die Ausstellung hinaus. Viele Ideen, Trends und Entwicklungen lassen sich erst richtig einordnen, wenn man die Fahrzeuge ihrer jeweiligen Zeit mit anderen Modellen und Epochen vergleicht.

Mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten entscheidet ihr selbst, welche Bereiche ihr entdecken möchtet und wie viel Zeit ihr euch dafür nehmt. So wird aus dem Besuch einer Sonderausstellung ein abwechslungsreicher Tag voller Geschichten, Designideen und Fahrzeugleidenschaft.

Bitte beachtet: Die Schatzkammer ist nicht im Tagesticket enthalten und kann separat besucht werden.


Vielleicht interessiert dich auch …


Grauer Banner mit PS.Insider und PS.SPEICHER-Logo; Text: Jetzt Newsletter abonnieren und keine Infos und Angebote verpassen!

Ihr wollt keine Neuigkeiten aus dem PS.SPEICHER verpassen? Dann abonniert jetzt unseren PS.Insider Newsletter und bleibt immer informiert über Fahrzeuge, Veranstaltungen und spannende Einblicke hinter die Kulissen.





 
 
 

1 Kommentar


katarina8e
vor 9 Stunden

Beeindruckend, welchen Einfluss Gunhild Liljequist auf das Fahrzeugdesign hatte. drift boss

Gefällt mir
bottom of page