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BMW Glas 3000 V8: Wie aus dem „Glaserati“ ein BMW wurde

vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit
Grauer BMW Glas 3000 in einer Oldtimer-Ausstellung, daneben weitere Klassiker in Gelb und Braun.

Dieses Fahrzeug steht genau an der Schnittstelle zwischen zwei Marken: Es ist weder ein reiner Glas noch ein eigenständiger BMW. Vielmehr handelt es sich um ein Übergangsmodell aus der Zeit nach der Übernahme der Hans Glas GmbH durch BMW.

Den BMW Glas 3000 könnt ihr im PS.SPEICHER aus nächster Nähe entdecken. Mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten besucht ihr die Erlebnisausstellung und alle Sammlungen an einem Tag. Für einen entspannten Rundgang mit noch mehr Zeit für die über 2.500 Fahrzeuge bietet sich das 2-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten an.



Die Marke Glas: Vom Landmaschinenbau zum Automobil

Die Firma Glas blickt auf eine lange Tradition im Landmaschinenbau zurück, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg beschließt, in den Motorrollerbau einzusteigen. Mit dem Goggo-Roller bringt sie 1951 den ersten in Deutschland entwickelten Motorroller auf den Markt, der ein großer Erfolg wird.

Als Nächstes soll ein familiengeeigneter Kleinwagen entstehen. 1952 beginnen Andreas Glas und Chefkonstrukteur Karl Dompert mit der Entwicklung. Das Ergebnis ist das Goggomobil, das 1955 auf den Markt kommt. Durch seinen Erfolg wächst das Glas-Werk im bayerischen Dingolfing stark an; zeitweise beschäftigt das Unternehmen mehr als 4.000 Menschen. Mit dem Glas Isar wagt Glas schließlich den Schritt zum regulären Automobilbau, der 1964 im eleganten und leistungsfähigen Coupé Glas 1300 GT einen Höhepunkt erreicht.


Doch die Produktionsanlagen bei Glas sind veraltet, und für einen wirklich rentablen Automobilbau fehlen der Firma die nötigen Investitionsmittel. 1966 übernimmt BMW die verschuldete Glas GmbH für 10 Millionen DM. Zunächst führt BMW die Produktion einiger Glas-Modelle weiter. Das Glas-1300-GT-Coupé wird mit neuem Kühlergrill, BMW-Niere und BMW-Technik als BMW 1600 GT noch bis August 1968 gebaut.


Hellblaues klassisches BMW-Coupé im Oldtimer-Museum, zwischen silbernem und orangefarbenem Wagen auf glänzendem Hallenboden.

Vom Glas 2600 V8 zum BMW 3000 V8

Mit dem eigenen Achtzylinder stößt Glas in ein Marktsegment vor, das für das Unternehmen besonders ehrgeizig ist. Im September 1965 wird auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung ein Prototyp mit 2,6-Liter-V8 und 140 PS vorgestellt. Das sportliche Viersitzer-Coupé erhält eine von Frua entworfene Karosserie im Maserati-Stil, was ihm den Spitznamen „Glaserati“ einbringt. Gebaut wird der Glas 2600 V8 von Juli 1966 bis September 1967.


Motorraum eines Oldtimers mit glänzendem Chrom-Luftfilter, Kabeln und Ölschild; keine Personen, ruhige Werkstattstimmung.

Trotz der eleganten Linien gibt es auch Kritik: Der sehr kurze Radstand wirkt sich nachteilig auf Proportionen und Fahreigenschaften aus. Auch der Preis von rund 19.400 DM bleibt für viele Käufer zu hoch, obwohl er für ein Prestige-Coupé vergleichsweise niedrig erscheint.


Nach der Übernahme durch BMW müssen noch rund 400 Frua-Karosserien abgenommen werden. Der 2600 V8 wird daraufhin aufgewertet, erhält BMW-Plaketten auf Motorhaube und Heckklappe, außerdem wächst der Hubraum auf 3,0 Liter. Die Produktion des BMW/Glas 3000 V8 läuft von Juni 1967 bis Mai 1968. Insgesamt entstehen von beiden Ausführungen – Glas 2600 V8 und BMW/Glas

3000 V8 – nur 666 Exemplare, davon 277 Glas 2600 und 389 BMW/Glas 3000 V8.




Fahrzeug

BMW Glas 3000 V8

Motorbauart

8 Zyl. Viertakt

Hubraum

2.982 cm³

Leistung

160 PS

Bauzeitraum

1967-1968

V-max

23.850 km/h



Hellblauer Oldtimer im Museum, neben einem orangefarbenen ZAZ; glänzende Karosserie und Chrom in ruhiger Ausstellung.

Warum der BMW/Glas 3000 V8 so besonders ist

Der BMW/Glas 3000 V8 ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Erstens trägt er noch deutlich die Handschrift von Glas: Frua-Karosserie, V8-Motor, De-Dion-Hinterachse und die ganze Grundidee eines sportlichen, prestigebetonten Viersitzer-Coupés stammen aus der späten Glas-Phase. Zweitens ist er ein Produkt der BMW-Übernahme und damit ein Fahrzeug, das aus vorhandenen Beständen und laufenden Planungen weiterentwickelt wird, ohne je vollständig in eine reguläre BMW-Modellfamilie überzugehen. Drittens steht er symbolisch für das Ende der Marke Glas als eigenständigem Automobilhersteller und zugleich für den Beginn des modernen BMW-Standorts Dingolfing, an dem BMW die alten Anlagen bald durch eine neue Automobilfabrik ersetzt.


BMW/Glas 3000 V8 im PS.SPEICHER

In der Sammlung AUTOMOBIL könnt ihr diesen Übergang von Glas zu BMW direkt am Fahrzeug nachvollziehen: Glas 2600 V8 und BMW 3000 V8 stehen dort unmittelbar nebeneinander.

Gerade darin liegt der besondere Reiz dieses Fahrzeugs. Der BMW/Glas 3000 V8 ist nicht nur ein seltenes Coupé, sondern auch ein anschauliches Zeugnis für einen Markenübergang in der deutschen Automobilgeschichte. Er zeigt, wie eng das Ende von Glas und der Beginn einer neuen BMW-Phase in Dingolfing miteinander verbunden sind. Wer die beiden Fahrzeuge nebeneinander sieht, erkennt nicht nur technische und gestalterische Kontinuitäten, sondern auch den Moment, in dem aus einem Glas-Modell Schritt für Schritt ein BMW wird.


Mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten könnt ihr neben der Sammlung AUTOMOBIL auch die Erlebnisausstellung und die weiteren Sammlungen des PS.SPEICHER entdecken. Wer sich für die mehr als 2.500 Fahrzeuge und ihre Geschichten mehr Zeit nehmen möchte, kann den Besuch mit dem 2-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten entspannt auf zwei Tage verteilen.



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