Die ersten Automobilhersteller: Welche Marken sind heute noch bekannt?
Als das Automobil am Ende des 19. Jahrhunderts entstand, war noch offen, welche Bauweise sich durchsetzen würde. Manche Konstrukteure setzten auf drei Räder, andere auf vier. Motoren saßen im Heck, in der Mitte oder vorn, die Kraft wurde über Riemen, Ketten oder Wellen übertragen. Viele der frühen Hersteller kamen ursprünglich aus dem Maschinen- oder Motorenbau und näherten sich dem Automobil schrittweise.
Einige Firmen entwickelten sich innerhalb weniger Jahre zu bedeutenden Herstellern, andere verschwanden trotz früher Erfolge wieder vom Markt. Manche Namen sind bis heute weltweit bekannt, andere fast nur noch Fachleuten und Liebhabern historischer Fahrzeuge ein Begriff. Ein Blick auf Benz, Daimler, Serpollet, Panhard & Levassor und De Dion-Bouton zeigt, wie unterschiedlich einige der frühen Automobilhersteller ihren Weg fanden.

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Benz: Vom Einzelstück zur größten Automobilfabrik der Welt
Carl Benz gründete 1883 gemeinsam mit Max Rose und Friedrich Wilhelm Eßlinger die Firma Benz & Cie. in Mannheim. Das Unternehmen verdiente zunächst vor allem mit stationären Motoren Geld. Benz wollte jedoch einen leichten, selbstfahrenden Wagen entwickeln, bei dem der Motor von Anfang an Teil des Fahrzeugs war. 1885 entstand sein dreirädriger Motorwagen, für den er am 29. Januar 1886 das Patent erhielt.
Mit dem weiterentwickelten Modell 3 unternahm Bertha Benz 1888 gemeinsam mit ihren Söhnen die Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim. 1893 folgte mit der Benz Victoria der erste vierrädrige Wagen des Unternehmens, ein Jahr später das Benz Velo. Von diesem leichten und vergleichsweise kompakten Modell entstanden rund 1.200 Exemplare. Es gilt als erstes in größerer Serie gebautes Automobil.

Benz wuchs schnell. 1899 verkaufte das Unternehmen 572 Motorwagen, 1900 waren es 603. Damit war Benz & Cie. zu diesem Zeitpunkt die größte Automobilfabrik der Welt. Carl Benz stand höheren Leistungen und Geschwindigkeiten allerdings lange skeptisch gegenüber. Als modernere und schnellere Konkurrenzmodelle stärker gefragt waren, geriet das Unternehmen ab 1901 unter Druck und musste sein Programm erneuern. Wenige Jahre später gehörte das Unternehmen wieder zu den führenden deutschen Automobilherstellern.
Daimler: Vom vielseitigen Motor zur internationalen Marke
Gottlieb Daimler arbeitete ab 1882 gemeinsam mit Wilhelm Maybach an kleinen, schnell laufenden Verbrennungsmotoren. Sie sollten sich in unterschiedlichen Fahrzeugen und Maschinen einsetzen lassen. 1884 entstand der wegen seiner Form „Standuhr“ genannte Motor. Er kam zunächst im sogenannten Reitwagen zum Einsatz und wurde 1886 in eine Kutsche eingebaut.
1890 wurde die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. Das Unternehmen setzte früh auf internationale Märkte und Lizenzverträge. Daimler-Motoren wurden schon in den 1890er Jahren auch außerhalb Deutschlands verwendet und gebaut. 1899 entstand in Wiener Neustadt die Österreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft, aus der später Austro-Daimler hervorging.
Einen entscheidenden Schub brachte der Name Mercedes. Der Daimler-Vertriebspartner Emil Jellinek regte die Entwicklung eines leistungsstarken neuen Fahrzeugs an und benannte es nach seiner Tochter Mercédès. Wilhelm Maybach entwickelte daraufhin den Mercedes 35 PS, der 1900 erschien. Das Fahrzeug löste sich konstruktiv deutlich von der bisherigen Kutschenform und wurde zum Ausgangspunkt einer neuen Modellgeneration. Zugleich machte es den Namen Mercedes international bekannt.
Nach dem Großbrand im Cannstatter Werk wurde Untertürkheim ab 1903 zum neuen Stammwerk ausgebaut. 1924 vereinbarten Daimler und Benz eine enge Zusammenarbeit, zwei Jahre später gingen beide Firmen in der Daimler-Benz AG auf. Die gemeinsame Marke Mercedes-Benz besteht bis heute.
Serpollet: Dampfwagen für den Personenverkehr
Léon Serpollet gehörte zu den wichtigsten französischen Pionieren des Dampfantriebs. 1886 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder in Paris die Société des Moteurs Serpollet Frères. Sein entscheidender Beitrag war ein kompakter Schnellverdampfer, bei dem nur so viel Dampf erzeugt wurde, wie unmittelbar benötigt wurde. Dadurch ließ sich die Dampfmaschine schneller in Betrieb nehmen und in vergleichsweise kleinen Fahrzeugen einsetzen.
Mit dem Serpollet-Dampfdreirad entstand eines der frühen industriell gefertigten Kraftfahrzeuge. Vier in Lizenz gebaute Exemplare wurden zugleich zu den ersten Automobilen der Brüder Peugeot. Serpollet erhielt 1888 von der Stadt Paris eine Erlaubnis zum Fahren auf öffentlichen Straßen, die als eine der frühesten Fahrerlaubnisse überhaupt gilt.
Zunächst wurden nur wenige Serpollet-Wagen verkauft. Ab 1900 brachte die finanzielle Unterstützung des Amerikaners Frank Gardner neuen Auftrieb. Unter dem Namen Gardner-Serpollet entstanden Dampfwagen in mehreren Leistungsstufen. 1902 erreichte Serpollet mit dem Rennwagen „Œuf de Pâques“ 120,8 km/h und stellte einen Landgeschwindigkeitsrekord für ein nicht elektrisch angetriebenes Fahrzeug auf.
Als sich der Benzinmotor bei Personenwagen zunehmend durchsetzte, verlagerte Serpollet den Schwerpunkt stärker auf Omnibusse und Lastwagen. Nach finanziellen Problemen gingen Unternehmensanteile 1905 an Alexandre Darracq, nach dem Tod Léon Serpollets endete die Produktion der Marke Serpollet 1907.
Panhard & Levassor: Vom frühen Pionier zur Übernahme durch Citroën

René Panhard und Émile Levassor legten ab 1889 in Paris die Grundlage für ihren Automobilbau. Die Wurzeln des Unternehmens lagen im Maschinenbau. Durch die französischen Lizenzrechte an Daimler-Motoren verfügte die Firma früh über eine wichtige Grundlage für eigene Fahrzeuge.
Panhard & Levassor wurde in den 1890er Jahren zu einem der bedeutenden französischen Hersteller. Besonders prägend war der Fahrzeugaufbau mit Frontmotor, dahinterliegendem Getriebe, gleichgroßen Rädern und Antrieb der Hinterräder. Damit überwandt das Automobil die Bausweise der pferdelosen Kutschen. Diese Anordnung diente vielen anderen Unternehmen als Vorbild. Um 1900 galt der mittelgroße Panhard als Muster eines zeitgemäßen Tourenwagens. Auch bei frühen Fernfahrten und Rennen war die Marke erfolgreich.
Das Unternehmen bot bald eine breite Palette an, vom kleineren Fahrzeug bis zum großen und teuren Luxuswagen. 1904 lag der Absatz noch bei rund 1.200 Fahrzeugen. Später wurden die vergleichsweise kostspieligen und konservativen Wagen jedoch schwieriger verkäuflich.
Nach dem Ersten Weltkrieg hielt Panhard lange an technisch aufwendigen Fahrzeugen fest. Nach 1945 geriet das Unternehmen wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Citroën beteiligte sich 1955 an Panhard und übernahm die Firma zehn Jahre später vollständig. 1967 endete die Personenwagenproduktion unter dem traditionsreichen Namen.
De Dion-Bouton: Kleine Motorfahrzeuge in großer Zahl

Albert de Dion, Georges Bouton und Charles Trépardoux begannen 1883 mit dem Bau von Dampfautomobilen. Ab den 1890er Jahren wandte sich das Unternehmen zunehmend dem Benzinmotor zu. Besonders erfolgreich wurde das De-Dion-Bouton-Tricycle: Ab 1895 entwickelte es sich zum ersten massenhaft produzierten Kraftfahrzeug.
In seiner frühen Benzinmotorphase setzte De Dion-Bouton vor allem auf Dreiräder, leichte Vierradfahrzeuge und Voiturettes. Damit erreichte die Firma eine größere Käuferschicht als viele Hersteller, die vor allem große und kostspielige Wagen bauten. 1906 beschäftigte De Dion-Bouton rund 3.000 Menschen.
Die kleinen Motoren wurden nicht nur in den eigenen Fahrzeugen verwendet. Zahlreiche andere Hersteller kauften sie zu und setzten sie in ihren Konstruktionen ein. Damit spielte De Dion-Bouton auch als Zulieferer eine wichtige Rolle für die Verbreitung kleiner Motorfahrzeuge.
Später kamen größere und teurere Modelle hinzu. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Marke jedoch zunehmend an Profil. Busse, Taxis sowie Nutz- und Landwirtschaftsfahrzeuge gewannen an Bedeutung, während Personenwagen nur noch in kleinen Stückzahlen entstanden. 1932 endete deren Produktion.
Die ersten Automobilhersteller: Welche Namen sind geblieben?
Von den fünf hier vorgestellten frühen Herstellern besteht heute nur Mercedes-Benz als Automobilmarke fort. Panhard wurde später in Citroën eingegliedert, De Dion-Bouton stellte den Personenwagenbau 1932 ein und Serpollet verschwand bereits 1907.
Die fünf Unternehmen stehen für unterschiedliche Vorstellungen vom frühen Motorwagen. Benz setzte auf einen leichten, eigenständig konstruierten Wagen und den Übergang zur Serienproduktion. Daimler und Maybach dachten stärker vom vielseitig einsetzbaren Motor aus. Serpollet versuchte, den Dampfantrieb für kleinere Fahrzeuge nutzbar zu machen. Panhard & Levassor prägte den klassischen Aufbau des Automobils, während De Dion-Bouton mit leichten Fahrzeugen und zugelieferten Motoren eine vergleichsweise große Verbreitung erreichte.
Mehrere Fahrzeuge dieser frühen Hersteller sind heute im PS.SPEICHER zu sehen. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Ansätze in einer Zeit waren, in der der Motorwagen noch ein seltenes und kostspieliges Produkt war.
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