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Bernd Felbermair: Mit dem Motorroller nach Venedig - Eine musikalische Zeitreise in die 1950er Jahre

vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit

Bernd Felbermaire imPS.SPEICHER

Ein Abend voller Italiensehnsucht

Bei einer ganz besonderen Veranstaltung in der PS.Halle erlebten die FörderFreunde des PS.SPEICHER einen spannenden Abend mit Bernd Felbermair. In seiner Präsentation „Mit dem Motorroller nach Venedig – Zeugnisse der Italiensehnsucht der 1950er Jahre“ nahm er die Gäste mit auf eine musikalische Reise, die den Zauber der 1950er Jahre wieder aufleben ließ. Dabei ging es nicht nur um persönliche Erinnerungen und die Geschichte des Motorrollers als Symbol der Freiheit, sondern auch um die kulturellen Hintergründe, die diese Ära prägten.


Italien als Sehnsuchtsort der 1950er Jahre

In den 1950er Jahren war Italien für viele Deutsche nicht nur ein geografisches Ziel, sondern ein Ort der Sehnsüchte, die durch Musik, Film und natürlich durch die Migration von italienischen Gastarbeitern immer greifbarer wurden. Zahlreiche deutsche Schlager dieser Zeit spiegeln diese Sehnsüchte wider. Lieder wie „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein“ von René Carol (1952) oder „Deinen Namen hab' ich vergessen“ (1954) thematisierten nicht nur eine romantische Sehnsucht nach dem Süden, sondern auch das Fernweh und die Freiheit, die mit einer Reise in den Süden verbunden waren.


Schlager als musikalische Reise in den Süden

Gerade im deutschen Schlager gab es viele Songs, die das mediterrane Lebensgefühl und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft im Süden thematisierten. „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein“ zum Beispiel wurde zu einem Klassiker und drückte das Lebensgefühl einer ganzen Generation aus, die sich nach der Sonne Italiens und der Leichtigkeit des Lebens sehnte. Auch „Deinen Namen hab' ich vergessen“, ein weiteres berühmtes Lied von René Carol, nimmt das Thema der Sehnsucht und des Verlassenwerdens auf – Gefühle, die auch in der Geschichte der italienischen Gastarbeiter in Deutschland eine Rolle spielten.


Musik als Ausdruck kultureller Begegnung

Bernd Felbermair hob hervor, wie diese Lieder nicht nur den Traum von Italien verkörperten, sondern auch als Ausdruck der emotionalen Erlebnisse der Menschen dienten, die durch Musik ihre Fernwehsehnsüchte und die Erinnerung an ihre Heimat aufarbeiteten. In vielen dieser Lieder fanden sich nicht nur die Träume von Italien wieder, sondern auch der symbolische Ausdruck einer kulturellen Begegnung – zwischen den Deutschen und den italienischen Gastarbeitern, deren Musik und Kultur nach und nach in das deutsche Leben integriert wurden.


Mit dem Motorroller nach Italien

Für Bernd Felbermair selbst war das Thema Italien auch persönlich. Seit 2015 fährt er jedes Jahr mit seinem Peugeot 125er Roller nach Italien – und ja, kein Oldtimer, sondern ein moderner Roller, der ihm den Wind um die Ohren weht. Auch wenn das Fahrzeug technisch gesehen nicht aus den 50er Jahren stammt, so bleibt das Abenteuer nach wie vor das gleiche: die Freiheit, das Gefühl des Reisens, das in den 1950er Jahren mit dem Motorroller verbunden war, lebt auch heute noch weiter.

Parallel zu Felbermairs Erzählungen wurde immer wieder ein Werbefilm aus den 1950er Jahren gezeigt, der die NSU Lambretta als modernes Fortbewegungsmittel präsentierte. In der Werbung wird ein junges Paar gezeigt, das mit dem Motorroller durch Italien fährt – eine typische Darstellung der Sehnsucht nach dem sonnigen Süden. Der Film fängt die Leichtigkeit und Freiheit der Reise ein, was in den 1950er Jahren auch die Werbung für motorisierte Fahrzeuge verkörperte.

Die weibliche Figur in dem Werbefilm könnte man heute fast als „die naivste Urlauberin der 1950er Jahre“ bezeichnen. Sie wirkt heute fast ein bisschen wie die „Touristin aus dem Märchenbuch“: Während ihr männlicher Begleiter den Motorroller souverän steuert, schaut sie in die Ferne und ist so fasziniert von der Welt um sie herum, dass man fast den Eindruck gewinnt, dass sie wahrscheinlich noch nie selbst hinter dem Lenker gesessen hat. Natürlich war dieses Bild in den 50er Jahren ein weit verbreitetes Klischee, das vor allem in der Werbung zu finden war. Heute blicken wir mit einem Schmunzeln auf solche Darstellungen zurück, die damals ganz normal waren, aber zum Glück nicht mehr den Standard bilden. Aber hey, in der Retro-Welt kann man das immer noch mit einem Schmunzeln betrachten, oder?


Die NSU Lambretta als Symbol der Freiheit

Bernd Felbermair zeigte in seiner Erzählung, wie sich die Welt damals und heute verändert hat, und betonte, wie wichtig es ist, dass wir uns bewusst mit den kulturellen Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit auseinandersetzen. Der Werbefilm mag in seiner Zeit gut angekommen sein, doch heute bietet sich eine Gelegenheit, die damalige Sichtweise zu hinterfragen und die Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, zu würdigen.


Die Veranstaltung war jedoch nicht nur eine Erzählung von Felbermairs eigenen Reisen, sondern auch eine musikalische Zeitreise. In seinem Vortrag spielte er originale Schallplatten aus den 1950er Jahren ab, darunter Klassiker wie „Volare“ von Domenico Modugno und „Ciao, ciao bambina“. Diese Musik, die durch die Boxen der damaligen Geräte wie dem Telefunken Lido und dem Loewe Spinett drang, veranschaulichte eindrucksvoll die Atmosphäre der Nachkriegszeit und der frühen Wirtschaftswunderjahre. Die Gäste konnten förmlich spüren, wie diese Lieder den Traum von Italien und das Fernweh der damaligen Zeit widerspiegelten.


Dabei ging es Felbermair nicht nur um die Musik selbst, sondern auch um das Gefühl, das sie vermittelte. Diese Lieder waren der Soundtrack zu einem Leben, das sich von einem Tag zum anderen verändert hatte – ein Leben, das die italienischen Gastarbeiter in die deutsche Gesellschaft brachten und das in vielen Herzen eine tief verwurzelte Sehnsucht nach der Heimat bzw. in die Ferne weckte.

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war Felbermairs Auseinandersetzung mit der Technik, die in den 1950er Jahren eine Rolle spielte. Er zeigte auf, wie der Motorroller zu einem technischen Meisterwerk seiner Zeit wurde, das den Menschen nicht nur die Freiheit der Straße, sondern auch die Möglichkeit gab, die Welt aus einer neuen entschleunigten Perspektive zu sehen.


Auch in den kommenden Monaten laden die FörderFreunde wieder zu spannenden Vorträgen rund um Mobilitätsgeschichte, besondere Fahrzeuge und historische Entwicklungen ein. Wer dabei sein und noch tiefer in die Welt des PS.SPEICHER eintauchen möchte, kann sich bereits jetzt Tickets für die nächsten Termine sichern.



 
 
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