Red Flag? Was hat das mit dem PS.SPEICHER zu tun?
Red Flag? Heute denken viele dabei an ein Warnsignal im Dating, im Job oder im Alltag. Eine Situation, bei der man besser zweimal hinschaut. Doch hier geht es um den Red-Flag-Act im 19. Jahrhundert! Er hat vor allem etwas mit einem Gesetz im Straßenverkehr zu tun, das die Mobilitätsgeschichte stark beeinflusste.

Im 19. Jahrhundert war eine „red flag“ ganz wörtlich gemeint: In Großbritannien musste zeitweise eine Person mit roter Fahne vor motorisierten Straßenfahrzeugen hergehen, um andere Verkehrsteilnehmende zu warnen.
Was heute fast absurd klingt, war damals Ausdruck einer großen Unsicherheit. Die motorisierte Mobilität stand noch am Anfang. Dampfbetriebene Fahrzeuge wirkten laut, schwer und ungewohnt. Pferde konnten scheuen, Straßen waren nicht auf neue Maschinen ausgelegt, und viele Menschen fragten sich: Wie viel Technik verträgt der öffentliche Raum? Der sogenannte Red-Flag-Act wurde damit zu einem frühen Beispiel dafür, wie Gesellschaft, Gesetzgebung und technische Innovation miteinander rangen.
Was ist der Red-Flag-Act?
Der Red-Flag-Act ist ein britisches Verkehrsgesetzt, das den frühen motorisierten Straßenverkehr stark einschränkte. Offiziell heißt das Gesetz "Locomotives on the Highway Act". Seit 1865 schreibt dies vor, dass selbstfahrende Straßenfahrzeuge nur sehr langsam fahren dürfen und von Person(en) begleitet werden mussten. Besonders bekannt wurde die Regel, dass eine Person vor dem Fahrzeug hergehen und eine rote Flagge tragen musste, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen.
Diese Vorsichtsmaßnahme hatte den Grund, dass die frühen Dampfwagen und Straßenlokomotiven als gefährlich galten, sowie laut und stören. Außerdem sollten Pferde (von den Kutschen), Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer geschützt werden.

Was bedeutete die sukzessive Lockerung des Gesetzes?
Für die Entwicklung des Automobils in Großbritannien stellte dieses Gesetz eine Hürde dar. Mit der Lockerung des Gesetzes im Jahr 1896 bekam der britische Automobilverkehr Aufwind. Der berühmte "Emancipation Run", die Feier im Zuge dieser Lockerung, wird deshalb als ein symbolträchtiges Ereignis gesehen, sodass sich dieses verstetigte. Um den "Emancipation Run" von London nach Brighton hat sich bis heute die Tradition des "London to Brighton Veteran Car Runs" aufgebaut.
"From London to Brighton" ...
Der London to Brighton Veteran Car Run ist eine traditionsreiche Ausfahrt für sehr frühe Automobile. Sie erinnert an den Emancipation Run vom 14. November 1896, mit dem die Lockerung strenger britischer Verkehrsgesetze gefeiert wurde. Damals fiel unter anderem die Pflicht weg, dass eine Person mit roter Flagge vor motorisierten Fahrzeugen herlaufen musste.
Die Strecke führt von London nach Brighton, weil Brighton schon im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel an der Südküste war. Die Fahrt dorthin eignete sich daher besonders gut, um die neue Freiheit des Automobils öffentlich sichtbar zu machen. Die Route ist etwa 60 Meilen, also rund 96 Kilometer, lang.
Teilnehmen dürfen in der Regel nur Fahrzeuge, die vor 1905 gebaut wurden. Im Mittelpunkt steht nicht die Geschwindigkeit, sondern das gemeinsame Erleben historischer Technik und die Erinnerung an die Anfänge des Automobils.
Heute findet der London to Brighton Veteran Car Run jährlich am ersten Sonntag im November statt. Der Start erfolgt meist bei Sonnenaufgang im Hyde Park in London. Im Laufe des Tages erreichen die Fahrzeuge dann das Ziel in Brighton. Für 2026 ist die Ausfahrt am Sonntag, 1. November 2026, geplant.
... und der Bezug zum PS.SPEICHER

Dieses Schild an einem der Highlight-Exponate des PS.SPEICHER, der Benz Victoria, ist der Beweis, dass sie 2012 an der Fahrt von London nach Brighton teilgenommen hat - und das mit Startplatz Nummer 1! Die Insider wissen, dass die Platzierung davon abhängt, wann das Fahrzeug zugelassen wurde, d.h. die Benz Victoria war das älteste Fahrzeug, das bei dieser Ausfahrt teilgenommen hat.
Die Benz Victoria und viele weitere Meilensteine der Mobilitätsgeschichte entdecken
Wer die Benz Victoria und ihre Geschichte rund um den London to Brighton Veteran Car Run selbst erleben möchte, kann den Besuch ideal mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten verbinden. Damit entdeckt ihr nicht nur dieses außergewöhnliche Fahrzeug in der Erlebnisausstellung, sondern erhaltet auch Zugang zu allen Sammlungen des PS.SPEICHER.
Vom ersten Automobil über historische Motorräder und Kleinwagen bis hin zu außergewöhnlichen Nutzfahrzeugen zeigt der PS.SPEICHER, wie sich Mobilität in den vergangenen mehr als 200 Jahren entwickelt hat. So wird aus der Geschichte des Red-Flag-Acts ein spannender Ausgangspunkt für eine Zeitreise durch die Anfänge und Meilensteine der Fahrzeuggeschichte.
Bitte beachtet: Die Schatzkammer ist nicht im Tagesticket enthalten und kann separat besucht werden.
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