Ein Rennwagen mit Geschichte – der Borgward RS in Freiburg
- juliaheitmueller
- 9. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Wenn vom 1. bis 3. August 2025 in der Messe Freiburg die Ausstellung „100 Jahre Schauinsland Bergrennen“ eröffnet wird, ist auch ein Fahrzeug aus Einbeck mit dabei: der Borgward RS. Diese Leihgabe aus dem PS.SPEICHER steht exemplarisch für die große Zeit des Bergrennsports in Deutschland und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Entwickelt für den Wettbewerb, gefahren von prominenten Piloten und technisch ambitioniert konstruiert – dieses Fahrzeug verkörpert Motorsportgeschichte auf besondere Weise.
Der Borgward RS – Technik und Anspruch
In den 1950er Jahren war Borgward eine der ambitioniertesten Automarken in Deutschland. Der Bremer Automobilhersteller, geführt von Carl F. W. Borgward, wollte nicht nur im Serienfahrzeugbau, sondern auch im Motorsport Zeichen setzen. Der Borgward RS entstand aus dieser Haltung heraus: als Rennsportwagen mit klarer Ausrichtung auf Bergrennen und Rundstrecken. Das Kürzel „RS“ steht für „Rennsport“.
Der Wagen wurde ab 1951 entwickelt und war ein technisches Statement. Ziel war eine möglichst leichte und windschnittige Karosserie in Kombination mit einem leistungsfähigen Motor. Der Aluminiumaufbau entstand in Handarbeit, das Chassis bestand zunächst aus einem Kastenrahmen mit Querverstrebungen, später kamen Gitterrohrrahmen zum Einsatz. Der Motor war ein Vierzylinder-Reihenmotor mit anfangs untenliegender, später obenliegender Nockenwelle und 1,5 Liter Hubraum. Die Leistung wurde von anfänglich 80 PS über 90 PS bis zu 113–115 PS mit Direkteinspritzung gesteigert; in der letzten Ausbaustufe mit Doppelnockenwelle und Trockensumpfschmierung sogar bis zu 134 PS. Das Fahrzeuggewicht lag je nach Ausführung bei rund 600 Kilogramm.
Die Höchstgeschwindigkeit betrug je nach Übersetzung und Motorisierung bis zu etwa 200 km/h. Wichtiger als die Endgeschwindigkeit war das agile Fahrverhalten, das dem Borgward RS auf kurvigen Strecken wie im Bergrennsport Vorteile verschaffte.
Motorsporteinsätze und prominente Fahrer
Zwischen 1952 und 1958 wurde der Borgward RS bei zahlreichen Veranstaltungen eingesetzt. Borgward trat mit Werksteams an, arbeitete aber auch mit bekannten Privatfahrern zusammen. Zu den Fahrern zählten unter anderem Hans Hugo Hartmann, Adolf Brudes, Karl-Günther Bechem und Hans Herrmann, der später für Porsche und Mercedes fuhr. Auch der Schweizer Paul Frère war als Fahrer und Automobiljournalist mit dem Fahrzeug verbunden.
Der Borgward RS erzielte zahlreiche Erfolge, darunter Siege beim Grenzlandringrennen, auf der AVUS und Klassensiege bei internationalen Wettbewerben. 1953 erreichte das Team Bechem/Helfrich beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring den dritten Gesamtrang hinter Ferrari und Jaguar. Auch bei Bergrennen wie am Rossfeld, auf der Solitude und am Schauinsland war der Borgward RS erfolgreich und galt als ernstzunehmender Herausforderer, auch wenn er sich gegen Marken wie Porsche oder Ferrari nicht immer durchsetzen konnte.

Schauinsland – eine Strecke mit Charakter
Das ADAC-Schauinsland-Rennen zählt zu den traditionsreichsten Motorsportveranstaltungen Deutschlands. Die Strecke südlich von Freiburg führt vom Stadtteil Horben auf einer Länge von zwölf Kilometern mit 173 Kurven und 780 Höhenmetern hinauf auf den Schauinsland. Sie ist bis heute die längste und kurvenreichste Bergrennstrecke Deutschlands.
Zwischen 1925 und 1984 war das Bergrennen regelmäßig Austragungsort für nationale und internationale Meisterschaften, darunter auch Läufe zur Europa-Bergmeisterschaft. Neben deutschen Herstellern wie NSU, BMW oder Porsche nahmen auch internationale Teams teil. Seit 2001 wird das Rennen als historische Veranstaltung, die „Schauinsland-Klassik“, auf verkürzter Strecke und mit Oldtimern durchgeführt.
Einbeck trifft Freiburg – die Ausstellung „100 Jahre Schauinsland Bergrennen“
Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wird in der Messe Freiburg eine Sonderausstellung mit rund 75 Fahrzeugen gezeigt. Der Zeitraum umfasst Rennfahrzeuge aus sechs Jahrzehnten – von den Pionieren der 1920er Jahre bis zu Boliden der frühen 1980er. Der Borgward RS aus dem PS.SPEICHER ist Teil dieser Auswahl und wird als eines der zentralen Exponate präsentiert.
Die Ausstellung legt besonderen Wert auf die Geschichte der Fahrzeuge und ihrer Fahrerinnen und Fahrer. Der Borgward RS ist dabei ein Bindeglied zwischen regionalem Motorsport und nationalem Renngeschehen. Seine Rolle am Schauinsland, seine Herkunft aus Bremen und seine Verbindung zu namhaften Fahrern machen ihn zu einem idealen Botschafter dieser Epoche.
Neben der Ausstellung sind weitere Programmpunkte geplant: Vorträge, Filmvorführungen, Gesprächsrunden mit Zeitzeugen sowie eine Publikation zur Geschichte des Bergrennens.
Der PS.SPEICHER und die Geschichte der Mobilität

Die Leihgabe des Borgward RS ist kein Zufall. Der PS.SPEICHER in Einbeck versteht sich als Ort der lebendigen Mobilitätsgeschichte – mit einer umfassenden Sammlung historischer Fahrzeuge, thematischen Ausstellungen und einem wachsenden Netzwerk an Kooperationen. Die Teilnahme an der Ausstellung in Freiburg zeigt, wie breit dieses Netzwerk reicht.
Der PS.SPEICHER ermöglicht nicht nur den Blick zurück, sondern versteht sich als Plattform für den Austausch über technische Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen und kulturelle Prägungen durch Mobilität. Der Borgward RS ist Teil dieser Erzählung – und bleibt es auch nach dem Ende der Ausstellung, wenn er wieder in Einbeck zu sehen sein wird.
Wer den Borgward RS nach der Schauinsland-Ausstellung weiter bestaunen möchte, findet ihn im PS.SPEICHER in Einbeck: Dort gehört er zur Sammlung Automobil. Ein Fahrzeug mit echter Rennsportgeschichte – eindrucksvoll präsentiert in einem einzigartigen musealen Rahmen.
Fazit: Ein Klassiker auf großer Bühne
Der Borgward RS ist mehr als ein Ausstellungsstück – er steht für eine Ära des deutschen Motorsports, in der Ingenieurskunst, Mut und Leidenschaft zusammenkamen. Seine Teilnahme an der Schauinsland-Ausstellung 2025 bietet die Gelegenheit, ein Kapitel Mobilitätsgeschichte neu zu entdecken.
Wer sich für Motorsport, Technikgeschichte oder klassische Fahrzeuge interessiert, sollte den Termin vom 1. bis 3. August in Freiburg nicht verpassen. Der Blick auf den Borgward lohnt sich – nicht nur wegen seiner Form, sondern vor allem wegen seiner Geschichte
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