Motoraver zieht ein – Helge Thomsen und die Generation Autopunk bei den FörderFreunden im PS.SPEICHER
- 17. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Sept. 2025

Neuwagen? Nein, danke.
Ein 76er Granada? Schon eher.
Und wenn der dann noch qualmt, kracht und vibriert – dann könnte das gut ein Motoraver-Moment sein. Und genau darum geht’s am 2. Oktober 2025 in der PS.Halle in Einbeck, wenn Helge Thomsen und zwei seiner radikal umgebauten Motoraver-Kultkarren offiziell bis März 2026 in die Automobil Sammlung des PS.SPEICHER einziehen. Ein Abend zwischen Schrauberkultur, Autopunk, Rostromantik und einer Szene, die nie gefragt hat, ob der Lack noch original ist.
Organisiert von den engagierten FörderFreunden PS.SPEICHER, wird diese Veranstaltung nicht nur ein Highlight für Auto-Fans – sondern für alle, die Benzin eher fühlen als messen.
Ein Magazin, ein Movement: Wie alles begann
Aber zurück zum Anfang. Oder besser gesagt: zum 69er Plymouth Roadrunner, der Ende der 90er plötzlich mitten in Hamburg Altona vor einem Belichtungsstudio parkte. Was wie ein zufälliger Moment klingt, war in Wahrheit der Zündfunke für eine ganze Szene.
Helge Thomsen, damals Grafikdesigner bei einer Agentur namens „bleifrei“ (ja, der Name ist echt), fuhr regelmäßig mit seinem eigenen 76er Ford Granada zur Druckdaten-Abgabe. Und da stand er plötzlich: der dunkelgrüne US-Schlitten von Michael „Mitch“ Buss, Grafiker bei einem Lifestyle-Magazin. Schnell kam man ins Gespräch, eine Sonderausgabe zum Thema „Auto & Style“ war in Planung – und auf einmal war da dieser Begriff im Raum: Parkplatzraver. Ein halbironischer Verein zur Erhaltung der Parkplatzkultur. Klingt nach Schnapsidee? War es auch. Aber eine mit Substanz.
Die Seite ging online, die Ausgabe erschien – und der Webserver kollabierte. Offenbar gab es mehr Sympathisanten für das schräg-schöne Konzept als gedacht. Bald stieß auch Tobias Meyer, angehender Jurist und angefixter Auto-Fan, dazu – und bei einem Tresenabend im „Blauen Barhaus“ in Hamburg war die Idee geboren: Motoraver – das erste Drivestyle-Magazin Deutschlands.
Das war 1999. Der Rest? Ist Schraubergeschichte.
Motoraver: Die andere Autokultur
Motoraver war von Anfang an anders. Keine Objektivität, kein Mainstream, kein Respekt vor dem H-Kennzeichen. Stattdessen: Lautstärke, Lässigkeit und Leidenschaft.
Die Texte anarchisch, die Themen wild: Rennstrecke trifft Rave, Schweißnaht auf Subkultur, Punkrock auf Patina. Wer wissen wollte, wie man mit einem Ford Taunus durchs ehemalige Jugoslawien fährt, oder wie sich ein 450er V8 im Alltag schlägt, wurde bei Motoraver fündig. Wer wissen wollte, wie viel Liter auf 100 Kilometer? Der konnte weiterblättern – oder besser gleich was anderes lesen.
Motoraver wurde zum Sprachrohr einer Generation, die lieber schraubt als bestellt. Die lieber fährt als postet. Und die sich weder von TÜV-Prüfern noch von Garagengold-Sammlern vorschreiben lässt, wie Oldtimer auszusehen haben.
Die Kultkarren: Zwei echte Typen auf vier Rädern
Dass Motoraver mehr ist als ein Magazin, zeigt sich auch in den beiden Fahrzeugen, die am 2. Oktober im PS.SPEICHER offiziell Teil der Sammlung Automobil werden. Und es sind keine Hochglanz-Museumsstücke – sondern fahrende Statements:
Ford Granada 2 TL 2,8 V6 (Baujahr 1976)
Ein Straßenkreuzer mit Haube, Haltung und Hubraum. Helge Thomsen hat ihn zum rollenden Rebell umgebaut – ohne Rücksicht auf Originalitäts-Fetischisten. Viel Power, viel Charakter, viel Geschichte.
Mercedes W123 Coupé 450 V8 (Baujahr 1978)
Die eleganteste Art, einen Mittelfinger zu zeigen. Unter der Haube brüllt ein V8, außen funkelt der Charme der späten 70er. Ein Coupé, das nie nach Feinkost Käfer, sondern eher nach Tankstelle um Mitternacht gerochen hat.
Beide Fahrzeuge stehen ab Oktober im PS.SPEICHER Einbeck, flankiert von einer Leuchtwand, einer Szene-Vitrine und dem, was man mit Geld nicht kaufen kann: gelebter Autopunk.
Helge Thomsen live: Zwischen Öl, O-Tönen und Oldschool
Doch nicht nur die Autos ziehen ein – auch Helge Thomsen selbst kommt nach Einbeck. Und das wird kein trockener Vortrag, sondern ein echter Abend mit Geschichten, Gesichtern und Gefühlen. Ob aus seiner Zeit bei „GRIP – Das Motormagazin“, seiner eigenen Serie „Youngtimer Duell“ auf DMAX oder den legendären Motodrom-Partys in Hamburg – Helge erzählt, wie nur er erzählen kann: direkt, ehrlich, humorvoll und ohne Filter.
Und: Er kommt nicht allein. Weggefährten der ersten Stunde, Freund:innen, Szene-Köpfe – wer genau auftaucht, bleibt bis zuletzt offen. Aber sicher ist: Es wird persönlich, authentisch und unvergesslich.
Ein Event mit Haltung – möglich gemacht von den FörderFreunden PS.SPEICHER
Dass dieser Abend im PS.SPEICHER stattfinden kann, ist kein Zufall – sondern dem Einsatz der FörderFreunde PS.SPEICHER zu verdanken. Der Verein unterstützt nicht nur das Museum, sondern sorgt auch dafür, dass automobile Kultur lebendig bleibt. Mit Veranstaltungen, Engagement und Herzblut.
Wer Lust hat, nicht nur Gast zu sein, sondern Teil dieser Community zu werden, kann sich auf der Website schlau machen – und vielleicht beim nächsten Mal selbst etwas auf die Beine stellen.
Und jetzt? Termin eintragen, Schrauberfreunde anrufen, hinfahren!
📍 Wann: Donnerstag, 2. Oktober 2025
🕖 Uhrzeit: 19:00 Uhr
📌 Ort: PS.Halle im PS.SPEICHER Einbeck
🎟 Tickets & Infos: Auf der Website des PS.SPEICHER www.ps-speicher.de
🚗 Highlight: Ein Abend mit Helge Thomsen, Motoraver-Kultkarren & Szene-Insidern
Letzte Worte? Klar: Lasst den Neuwagen stehen.
Und du solltest bei den FörderFreunden im PS.SPEICHER mit dabei sein!




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