Originalität ist Trumpf - Dr. Gundula Tutt ging den Oldtimern richtig auf den Lack!
- 22. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

In der Welt der Oldtimer-Restaurierung hat sich in den letzten Jahren ein bemerkenswerter Wandel vollzogen: Immer mehr Besitzer von historischen Fahrzeugen entwickeln ein wachsendes Bewusstsein für die originale Substanz und die historische Gesamtheit ihrer Schätzchen. Statt sich von der Vorstellung leiten zu lassen, ein Auto „besser als neu“ zu machen, setzen viele nun auf den Erhalt der Authentizität. Diese Philosophie wurde eindrucksvoll im Vortrag von Dr. Gundula Tutt im PS.SPEICHER aufgegriffen, bei dem sie ihre Expertise und Erfahrungen in der originalgetreuen Restaurierung von Oldtimern teilte.
Die Kunst der Restaurierung historischer Fahrzeuge Dr. Gundula Tutt
Dr. Gundula Tutt, eine der führenden Kunstrestauratorinnen im Bereich historischer Fahrzeuge, erklärte, worauf bei der Restaurierung von Oldtimern besonders geachtet werden sollte. Ihre Expertise basiert auf über 20 Jahren Forschung, Re-Engineering und Netzwerk-Arbeit, die ihr geholfen haben, das Wissen und die Fähigkeiten zur Wiederherstellung historischer Materialien und Techniken weiterzugeben. Dabei geht es nicht nur um die ästhetische Wiederherstellung, sondern vor allem um den Erhalt der originalen Substanz und das Verständnis der historischen Wertigkeit eines Fahrzeugs.
Originalität statt Perfektion
Die zentralen Prinzipien von Dr. Tutt lauten: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Eine Restaurierung soll das Fahrzeug in seinem authentischen Zustand erhalten, anstatt es in einen Zustand zu versetzen, der keine Verbindung mehr zur Geschichte des Fahrzeugs hat. Dies gilt insbesondere für den Lack, der oft als das Markenzeichen eines Fahrzeugs gilt.
Im Vortrag stellte Dr. Tutt verschiedene Materialien und Techniken vor, die zur originalgetreuen Restaurierung von Fahrzeugen verwendet werden. Ein besonders wichtiges Thema war die Erhaltung historischer Lackierungen. Oft wird angenommen, dass die historischen Materialien nicht mehr erhältlich sind oder dass alte Techniken nicht mehr beherrscht werden. Doch Dr. Tutt konnte in über zwei Jahrzehnten Recherche und Zusammenarbeit mit Spezialisten und Manufakturen dafür sorgen, dass diese Annahmen nur noch selten zutreffen. Die Materialien und Arbeitstechniken, die sie in ihrer Werkstatt einsetzt, ermöglichen es, den Originalzustand von Fahrzeugen zu bewahren.
Historische Lacke und ihre Bedeutung
Ein zentrales Thema in Dr. Tutts Vortrag war der historische Lack. Besonders faszinierend war ihre Erläuterung zu den „Kutschenlacken“ – Lacken auf Leinölbasis, die in der Frühzeit des Automobilbaus verwendet wurden. Der Erhalt solcher Lackierungen ist eine der größten Herausforderungen in der Restaurierung, da sie aufgrund ihrer empfindlichen Beschaffenheit schnell altern. Dr. Tutt hat sich darauf spezialisiert, solche Oberflächen zu konservieren und gegebenenfalls mit authentischen Techniken nachzubessern.
Für die Erhaltung dieser Lackierungen ist eine detaillierte Kenntnis der ursprünglichen Materialien und Techniken unerlässlich. Dr. Tutt konnte durch ihre jahrelange Erfahrung und Forschung Materialien rekonstruieren, die genau den historischen Vorgaben entsprechen.
Mit der Einführung von Nitrozelluloselacken Mitte der 1920er Jahre erlebte die Fahrzeuglackierung eine Revolution. Diese Lacke ermöglichten eine besonders schnelle Trocknung und glänzende Oberflächen und waren in den 1920er und 1930er Jahren sehr beliebt. Dr. Tutt erläuterte, wie wichtig es ist, bei der Restaurierung von Fahrzeugen, die diese Lacke ursprünglich trugen, auf die korrekte Nachbildung dieser Lackierungen zu achten.
Ein weiteres Thema war die Rekonstruktion von Kunstharzlacken, die seit den 1930er Jahren in der Fahrzeugindustrie verwendet wurden. Diese Lacke sind besonders wichtig für die Restaurierung von Fahrzeugen aus den 1960er und 1970er Jahren. Dr. Tutt und ihr Netzwerk von Spezialisten haben Methoden entwickelt, um diese Kunstharzlackierungen mit historischen Materialien und Techniken wiederherzustellen, sodass sie sich nahtlos in das Gesamtbild eines restaurierten Fahrzeugs einfügen.
Restaurierungstechniken für die Zukunft
Dr. Tutt betonte, dass jede Restaurierung und Ergänzung immer reversibel sein sollte, um den ursprünglichen Zustand des Fahrzeugs möglichst wenig zu beeinträchtigen. Sie erklärte, dass eine „Spot-Retusche“ innerhalb der bestehenden Restaurierungen den besten Weg darstellt, beschädigte Stellen zu reparieren, ohne die historische Substanz zu gefährden.
Fazit – Ein wertvoller Blick in die Zukunft der Oldtimer-Restaurierung
Dr. Gundula Tutts Vortrag im PS.SPEICHER war ein wertvoller Beitrag zur Diskussion über die Restaurierung von Oldtimern. Sie zeigte, dass die wahre Kunst der Restaurierung darin liegt, die Originalität zu bewahren und nur dann einzugreifen, wenn es unbedingt notwendig ist. Ihre Expertise in der Arbeit mit historischen Lacken und Materialien ist ein bedeutendes Beispiel dafür, wie viel Wissen und Sorgfalt in die Restaurierung von Fahrzeugen einfließen müssen, um ihre Authentizität zu bewahren.
Für alle, die sich mit Oldtimer-Restaurierung beschäftigen oder einfach ein Interesse an der Geschichte der Automobiltechnik haben, war dieser Vortrag eine wertvolle Quelle der Inspiration. Und für den PS.SPEICHER sowie die FörderFreunde PS.SPEICHER ist es ein weiterer Schritt, den Gästen nicht nur Fahrzeuge zu zeigen, sondern auch die tiefere Geschichte und Bedeutung der Fahrzeuge zu vermitteln, die Teil der Sammlung sind.
Dieser Vortrag hat uns alle daran erinnert: Originalität ist Trumpf – gerade wenn es um historische Fahrzeuge geht.
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