Reisevortrag im PS.SPEICHER: „Mit dem Oldtimer durch Westafrika – Wüste. Voodoo. Viren. Federbruch.“
- ursularaschke
- 9. Okt.
- 4 Min. Lesezeit

Wie fühlt es sich an, mit einem fast 60 Jahre alten Lkw über Pisten in der Sahara zu rumpeln, Voodoo-Rituale am Golf von Guinea mitzuerleben und unterwegs nicht nur Grenzposten, sondern auch unerwartete Pannen zu meistern? Genau darum geht es im Reisevortrag „Mit dem Oldtimer durch Westafrika – Wüste. Voodoo. Viren. Federbruch.“ von Berit Hüttinger und Andreas „Heppo“ Helmberger. Die beiden waren in ihrem Mercedes-Benz Rundhauber – liebevoll „Frau Scherer“ – monatelang in Westafrika unterwegs. Mit an Bord: Hund Sidi und unzählige Geschichten und ein Blick auf einen Kontinent, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf Schlagworte reduziert wird. In ihrem Vortrag nehmen sie euch differenziert, nahbar und mit viel Bild- und Videomaterial mit auf die Reise.
„Krieg, Korruption, Krankheiten“ – so lauten die gängigen Vorurteile, die im Kopf schnell präsent sind, wenn von Afrika die Rede ist. Berit und Heppo zeigen eine andere Perspektive. Sie erzählen von Musik aus Mali, Mode und Kunst entlang der Küstenstaaten und spirituellen Begegnungen – etwa mit Sufis oder in Kontexten der Yoruba-Kultur. Statt Sensationslust steht die Neugier auf Menschen, Handwerk, Rituale und alltägliches Miteinander im Mittelpunkt. Dass dazu auch kritische, bisweilen herausfordernde Momente gehören, blenden die beiden nicht aus: Von Behördenwegen in Mauretanien bis zu Sicherheitslagen auf Teilstrecken – die Erfahrungen sind vielschichtig und ehrlich geschildert.
Der Star auf vier Rädern ist ein Mercedes-Benz LA 710 – ein sogenannter Rundhauber aus den 1960er-Jahren. Robust, langsam, markant. Wer dieses Fahrzeug fährt, wählt bewusst den entschleunigten Weg – mit all seinen Konsequenzen: Wartung am Straßenrand, Ersatzteile improvisieren, Hilfsbereitschaft von Anwohnerinnen und Anwohnern annehmen und mit Humor reagieren, wenn wieder etwas klappert oder – wie in diesem Fall – eine Blattfeder bricht. Der Federbruch wird zum Sinnbild für das, was unterwegs immer wieder geschieht: Pläne ändern sich, und genau darin entstehen die Geschichten, die später ein Publikum fesseln.
Route, Alltag und besondere Momente
Von Nordwestafrika bis in den tropischen Süden führt die Tour über lange Etappen, die manchmal nur wenige Dutzend Kilometer am Tag zulassen. Pisten wechseln mit Küstenstraßen, Wüstenwind mit Regengüssen. Es sind nicht die großen Sehenswürdigkeiten allein, die in Erinnerung bleiben, sondern die Zwischenräume des Reisens: ein Polizeiposten in Mauretanien, ein Gespräch am Straßenschild nach Nouakchott, ein Morgen am Strand von Ghana oder spontane Begegnungen auf dem Voodoo-Festival in Benin. Solche Augenblicke spiegeln die Vielfalt von Lebensweisen – und zeigen, wie sehr ein historisches Fahrzeug Türen öffnet.
Ein Schwerpunkt der Reise ist Benin, das als Ursprung wichtiger Vodun-/Voodoo-Traditionen gilt. Berit und Heppo schildern in ihrem Vortrag Rituale, Prozessionen und alltägliche religiöse Praktiken mit der gebotenen Achtsamkeit. Es geht nicht um Exotisierung, sondern um Kontext: Was bedeutet das Fest für die Beteiligten? Welche Regeln gelten für Außenstehende? Wie wird Fotografieren respektvoll gehandhabt? Der Vortrag macht deutlich, wie wichtig persönliche Haltung ist, wenn man als Gast kulturelle Räume betritt.
Mehr als eine Lesung: Multimedial, dialogisch, nah dran
Der Abend ist keine reine Buchlesung. Berit und Heppo setzen Fotos, Videos und Ton ein, lassen euch live an Geräuschen, Stimmen und Situationen teilhaben und gehen ausführlich auf Fragen ein – von Fahrzeugtechnik über Grenzformalitäten bis zu Alltagslogistik im Lkw. So wird aus einer Reiseroute ein Erlebnisbericht, der inspiriert, informiert und zum Austausch einlädt.

Berit Hüttinger ist Grafikdesignerin und Autorin – sie betreibt unter dem Namen polymorph-design eine Agentur für Web- und Grafikdesign. Gemeinsam mit Andreas „Heppo“ Helmberger, Zimmerermeister und Schlagzeuger, bildet sie das Kernteam rund um „Frau Scherer“. Beide berichten seit Jahren über ihre Reisen, haben Interviews gegeben, Podcasts bestritten und ihre Erfahrungen in Publikationen und Blogbeiträgen aufbereitet. Sidi, der Hund, ist seit den ersten Touren dabei und ein wichtiger Teil der Geschichte.
Zum Vortrag gehört natürlich das Buch „Mit dem Oldtimer durch Westafrika“. Es dokumentiert die Etappen, erzählt Hintergründe zu Orten, Menschen und Pannen – und hält die Atmosphäre der Reise in Text und Bild fest. Für alle, die nach dem Abend weiter eintauchen möchten, ist es eine gute Ergänzung – und eine Einladung, sich mit eigener Reiselust und realistischen Erwartungen auseinanderzusetzen. Das Buch ist vor Ort erhältlich – auf Wunsch gern mit persönlicher Signatur der beiden.
Warum dieser Vortrag gut zum PS.SPEICHER passt
Der PS.SPEICHER in Einbeck steht für Mobilitätsgeschichte, Technik und Erlebnis – von der frühen Motorisierung bis zu heutigen Fragestellungen. Ein Reisevortrag über einen Historien-Lkw in aktueller Nutzung schlägt genau diese Brücke: Er zeigt, wie Technik kulturelle Begegnungen ermöglicht, wie Fahrzeuge Narrative tragen und wie Reisen die Perspektive auf Welt und Mobilität verändert. Für euch als Publikum heißt das: Ihr erlebt nicht nur Technik, sondern gelebte Mobilitätskultur – mit all ihren Facetten. Kommt vorbei und erlebt es selbst!
Der Rahmen im PS.SPEICHER: Ein Abend mit den FörderFreunden
Im Umfeld des PS.SPEICHER organisieren die FörderFreunde PS.SPEICHER e.V. regelmäßig Vorträge, die Mobilitätsthemen lebendig machen – von Technik bis Reiseerfahrung. „Mit dem Oldtimer durch Westafrika“ fügt sich in dieses Programm ein und lädt euch ein, Fragen zu stellen, mitzudiskutieren und Erfahrungen mitzunehmen, die weit über die Route hinausreichen. Aktuelle Termine und Ticket-Infos findet ihr auf den Seiten der FörderFreunde. www.ps-speicher.de/foerderfreunde
Mehr erfahren & Tickets:
FörderFreunde PS.SPEICHER e.V.: ps-speicher.de/foerderfreunde
PS.SPEICHER – Europas größtes Oldtimer- und Erlebnismuseum: ps-speicher.de




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