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Simson Schwalbe und die Vogelserie: Der Auftakt ikonischer Kleinkrafträder

  • 26. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Im ersten Teil unserer Simson-Reihe ging es um die frühen Jahrzehnte des Unternehmens: vom Waffengewerbe über den Fahrrad- und Automobilbau bis zur AWO 425. Dieser zweite Teil richtet den Blick auf den Fahrzeugbau, mit dem Simson bis heute besonders verbunden wird: die Kleinkrafträder. Mit Modellen wie SR1, KR50, Star und Schwalbe wird Simson weit über Suhl hinaus bekannt. Auch in dieser Phase stellt Simson nicht nur Mopeds und Mokicks her, Jagdwaffen bleiben in der SAG-Zeit ein wichtiges Liefergut.


Sammlung Motorrad

Warum Simson in den Mopedbau einstieg

Anfang der 1950er Jahre fehlt in der DDR ein einfaches und sparsames Motorzweirad, das gezielt auch Frauen oder ältere Menschen anspricht. In Westdeutschland haben sich solche Kleinkrafträder mit 50-cm³-Hubraum und freiem Durchstieg bereits etabliert.


Die DDR-Planwirtschaft entscheidet deshalb, die Motorradproduktion in Suhl zu beenden und den Standort zum Zentrum der Mopedfertigung auszubauen. Dafür musste Simson den Betrieb umorganisieren und unter anderem die Kinderwagen- und Fahrradfertigung aufgeben. Die Motoren lieferte zunächst das Büromaschinenwerk Rheinmetall in Sömmerda.


Die ersten Simson Mopeds: SR1, SR2 und SR2E

Trotz erheblicher Schwierigkeiten bei der Zulieferung und der Produktion beginnt 1955 die Fertigung des ersten Suhler Mopeds SR1. Noch im selben Jahr gelingt der Übergang zur Serienproduktion. 1957 folgt der SR2 mit kleineren Rädern, niedrigerem Rahmen und bequemerer Sitzposition. Auf seiner Basis entsteht der SR2E, das stärker motorisierte Spitzenmodell der ersten Suhler Mopedgeneration. Ab 1960 wird die Fertigung vollständig auf den SR2E umgestellt; bis 1964 entstehen über 500.000 Exemplare.


Blauer Motorroller Simson KR 50 mit Beinschild, rundem Frontscheinwerfer, Speichenrädern und heller Sitzbank in der Sammlung Motorrad des PS.SPEICHER.

Der erste Kleinroller: KR50

1958 kommt mit dem KR50 der erste Kleinroller aus Suhl auf den Markt. Mit dem SR2 hat er nur die Vorderradfederung und die Bremsen gemeinsam. Statt Pedalen besitzt er einen Kickstarter und ist damit eher ein verkleidetes Mokick mit Beinschutz. In der DDR darf der 50 km/h schnelle KR50 mit einer Moped-Fahrerlaubnis gefahren werden.

Trotz einer Jahresproduktion von 52.000 Stück im Jahr 1963 müssen Käuferinnen und Käufer lange Wartezeiten in Kauf nehmen. 1964 wird der KR50 durch seinen Nachfolger ersetzt: die Schwalbe KR51.






Die Vogelserie

Ab 1960 wird in Suhl die Vogelserie vorbereitet, bestehend aus Spatz, Star, Sperber, Habicht und Schwalbe. Den Motor für die neue Fahrzeuggeneration fertigt Simson im eigenen Werk. Die Vogelnamen sind einprägsamer als die üblichen Typenbezeichnungen mit Buchstaben und Zahlen und geben den Fahrzeugen ein eigenes Profil. Trotz ihrer unterschiedlichen Erscheinung bestehen die Modelle der Vogelserie zu großen Teilen aus den gleichen Bauteilen.


1962 bricht die Nachfrage nach Mopeds ein, was für Simson eine Absatzkrise zur Folge hat. Obwohl rund 30.000 Exemplare des SR2 keine Abnehmer finden, muss aufgrund der staatlichen Planung in der DDR zunächst weiterproduziert werden. Erst nach erfolgreichem Krisenmanagement der Werksleitung wird der SR2 eingestellt und die Massenfertigung des KR51 vorbereitet. Der finanzielle Schaden für Simson ist enorm, auch wenn die erfolgreiche Vogelreihe für Stabilisierung sorgt.


Die Simson Schwalbe

Grüne Vintage-Roller stehen in einer gut beleuchteten Ausstellungshalle. Holzbalken im Hintergrund verstärken das nostalgische Ambiente.

Im Februar 1964 kommt mit der KR51 Schwalbe der bekannteste Simson-Vogel auf den Markt. Der zweisitzige Kleinroller setzt neue Maßstäbe bei Motorleistung, Nutzmasse, Schmutzschutz, Federungskomfort sowie Service- und Umweltfreundlichkeit. Auffällig ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, die in der DDR für diese Fahrzeugklasse abweichend von internationalen Regelungen festgelegt wird.


Im Laufe der Jahre erscheint die Schwalbe in verschiedenen Ausführungen, darunter ab 1974 die Komfortvariante KR51/K mit hydraulisch gedämpften Federbeinen und verlängerter Sitzbank. 1979 erhält sie einen verbesserten Motor. Trotz technischer Weiterentwicklungen bleibt ihr äußeres Erscheinungsbild weitgehend unverändert. Die Schwalbe wird bis 1986 über 22 Jahre gebaut mit Stückzahlen von bis zu 60.000 Fahrzeugen pro Jahr.


Hersteller

Simson


Typ

KR51 Schwalbe


Motorbauart

1 Zyl. Zweitakt


Hubraum

48 cm³


Leistung

3,4 PS


Bauzeitraum

1964-1986


Höchstgeschwindigkeit

60 km/h


Neupreis

1.200 Mark



Spatz, Star, Habicht und Sperber: Mokicks statt Mopeds

Nach der Schwalbe lässt der Rest der Simson-Vogelschar nicht lange auf sich warten. 1964 beginnt die Produktion des einsitzigen SR4-1 Spatz. Es ist das Einstiegsmodell der Vogelreihe. Im Herbst desselben Jahres kommt der SR4-2 Star hinzu. Mit Doppelsitzbank und zeitgemäßem Design wird er zu einem beliebten Modell und bis 1975 mehr als eine halbe Million Mal gebaut.


Da Kickstarter immer beliebter werden, stellt Simson ab 1968 die Mopeds ein und baut nur noch Mokicks. 1966 folgt der SR4-3 Sperber. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h soll er jugendliche Motorradfans ansprechen, erweist sich aber als Flop, weil dafür eine Motorradfahrerlaubnis nötig war und Steuer- sowie Versicherungsfreiheit entfallen. 1972 wird er durch den SR4-4 Habicht abgelöst, für den der Motor des Star mit dem Fahrwerk des Sperber kombiniert wird. Im Export läuft er als „Star de luxe“.



Warum diese Simson-Fahrzeuge bis heute wichtig sind

Mit SR1, KR50 und vor allem der Vogelserie beginnt für Simson ein neues Kapitel. Das Unternehmen wird zu einem der bekanntesten Zweiradhersteller der DDR. Besonders die Schwalbe zeigt, warum diese Fahrzeuge bis heute präsent sind: Sie war alltagstauglich, technisch durchdacht, über viele Jahre im Programm und einige haben heute Kultstatus. Gleichzeitig markiert die Vogelserie auch den Höhepunkt einer Entwicklung, nach der sich der Betrieb in Suhl erneut grundlegend verändert.


Das war der zweite Teil unserer Simson-Reihe. Im dritten Teil geht es um Mofa, S50, S51 und SR50 – und damit um das späte Kapitel der Marke Simson.


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3 Kommentare


Gast
29. Mai

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27. Mai

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