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Prof. Dr. Metin Tolan: Titanic - Mit Physik in den Untergang

Prof. Dr. Metin Tolan während seines Vortrags im PS.SPEICHER, in dem er die Entdeckung des Titanic‑Wracks am 1. September 1985 durch Jean-Louis Michel und Robert Ballard vorstellte.

Wenn Physik Geschichte schreibt

Der Vortragsabend mit Prof. Dr. Metin Tolan war eine spannende Entdeckungsreise in die Physik des Titanic‑Untergangs, die uns nicht nur faszinierte, sondern uns auch zeigte, wie die Verbindung zwischen Technik und Naturwissenschaften das Drama von damals verständlicher macht.


Der Untergang in Spielfilmgeschwindigkeit

Am 14. April 1912 kollidierte die Titanic gegen etwa 23:40 Uhr mit einem Eisberg. Und hier kommt der Knüller: In nur 2 Stunden und 40 Minuten versank das größte Passagierschiff der Welt – fast genau so lange, wie der Titanic‑Film von James Cameron für den dramatischen Untergang braucht. Für viele von uns, die den Film kennen, war das eine erstaunliche Parallele: Der wahre Untergang der Titanic war fast genauso schnell, wie wir es aus Hollywood gewohnt sind, aber wohl eher ohne Romantik.


Prof. Tolan erinnerte uns auch daran, wie erstaunlich akkurat der Film in vielen Bereichen war. Besonders die Darstellung von Thomas Andrews, dem Schiffsbauer der Titanic, der im Film die Berechnungen des Untergangs vornahm, war bemerkenswert genau. Andrews erkennt, dass das Schiff sinkt, und bewertet die physikalischen Auswirkungen — ganz ohne Computer oder Taschenrechner. In der Zeit ohne moderne Technologie war das eine enorme Leistung. Tatsächlich haben die Filmemacher diese Berechnungen sehr sorgfältig recherchiert und den wissenschaftlichen Prozess des Untergangs realistisch dargestellt. Tolan scherzte dazu, dass der Bordtechniker des Films mit den damaligen Rechenmethoden quasi wie ein „wandelnder Taschenrechner“ wirkte. "Die Titanic war für ihre Zeit ein technisches Meisterwerk, aber die Hollywood‑Darstellung von Liebe und Opfer bleibt ein bisschen dramatischer“, meinte Prof. Tolan lachend. „In Wirklichkeit war es mehr Physik und weniger Romantik.


Der wahre Untergang war kein Hollywood‑Drama, sondern eine Verkettung von unglücklichen Umständen: Kollision, Verformung des Schiffs und das Eindringen von Wasser. Als der Bug begann zu sinken, setzte eine Kippbewegung ein, und das Schiff war schnell verloren. Prof. Tolan beschrieb es recht trocken als: "Technik trifft Natur“.


Warum der Eisberg so schwer zu sehen war

Die große Frage, die sich alle stellten: Warum sahen sie den Eisberg nicht früher? Laut Prof. Tolan fuhr die Titanic in einer mondlosen Nacht, und der Eisberg hatte nicht die typische weiße, glänzende Oberfläche, die wir alle erwarten würden. Nein, der Eisberg war blau. Ein blauer Eisberg! Wie ein echter „Verkleidungskünstler“ der Natur schlich er sich in der Dunkelheit dahin, völlig unsichtbar. Ein bisschen wie ein „unsichtbarer Ninja“, der darauf wartete, zuzuschlagen.

Prof. Tolan erklärte, dass die Besatzung einfach keine Chance hatte, den Eisberg zu sehen. Wellenschläge und die Mondreflexion hätten den Eisberg normalerweise sichtbar gemacht, aber nicht an diesem Abend. In dieser mondlosen Nacht, auch dies wurde professionell von den Filmemachern recherchiert, verschmolz der Eisberg förmlich mit dem Wasser, und die Titanic fuhr direkt in die Falle.


Was wäre passiert, wenn der Kapitän anders gehandelt hätte?

Ein besonders erkenntnisreicher Moment kam, als Prof. Tolan uns eine andere Perspektive auf den Untergang der Titanic zeigte: Was, wenn der Kapitän einfach den Frontalzusammenstoß mit dem Eisberg gewagt hätte? Moderne Berechnungen haben gezeigt, dass der Versuch, dem Eisberg auszuweichen, den Untergang der Titanic beschleunigte. Ein direkter Aufprall hätte das Schiff langsamer sinken lassen und den Passagieren mehr Zeit gegeben, in die Rettungsboote oder auch herannahenden Schiffe zu gelangen und vielleicht war das wirklich der Moment, in dem der Kapitän seine große Entscheidung getroffen hat, die ihn nicht unbedingt zum Held machte.


Ironischerweise war es also der Versuch, dem Eisberg auszuweichen, der eigentliche Fehler. Ein Frontalzusammenstoß hätte nicht nur das Sinken verzögert, sondern auch dafür gesorgt, dass mehr Menschen gerettet worden wären. Ein fast schon schräger Gedanke: Ein kleiner „Unfall“ hätte die Katastrophe vielleicht sogar hinausgezögert.


Fun Fact:

Der Film von 1997 kostete rund 200 Millionen US-Dollar und war damit der teuerste Film seiner Zeit. Diese Investition zahlte sich jedoch schnell aus, denn der Film spielte weltweit mehr als 2,2 Milliarden US-Dollar ein und setzte damit Maßstäbe in der Filmindustrie. Die Spezialeffekte, die das versinkende Schiff zeigten, waren damals bahnbrechend und trugen maßgeblich zu dem unglaublichen Erfolg bei. Ohne jedoch all die Romantik und große Gesten, die uns die Titanic als Filmklassiker in Erinnerung bleiben lassen, wäre der Film heute wohl kaum so berühmt.


Was Prof. Dr. Metin Tolan uns beibrachte – und warum es für uns wichtig ist


Prof. Dr. Metin Tolan am Ende seines Vortrags, stehend auf der Bühne der PS.Halle, lächelt und freut sich und im Hintergrund steht auf der Präsentation 'Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit'
Professor Dr. Metin Tolan hat uns wieder einmal mit seiner Art Physik zu erklären begeistert

Prof. Tolan zeigte uns nicht nur technische Fakten und historische Einblicke in die Titanic-Katastrophe, sondern erklärte auch, dass der Untergang ein eindrucksvolles Beispiel für die Grenzen der Technik ist. Er machte deutlich, wie wichtig es ist, auf unvorhersehbare Situationen vorbereitet zu sein – selbst die fortschrittlichste Technik kann versagen, wenn sie den Naturgesetzen und unerwarteten Umständen ausgeliefert ist. Er brachte es ironisch auf den Punkt: Technik ist fantastisch, aber sie kann auch in die falsche Richtung gehen, wenn wir uns nicht ständig der Risiken bewusst sind. Ein bisschen wie der Eisberg — unsichtbar und plötzlich da.


Der Vortrag war nicht nur eine Rückschau auf ein dramatisches Ereignis, sondern auch eine Mahnung an die Zukunft der Technik. Prof. Tolan zeigte uns, dass moderne Technologie immer noch auf Unvorhersehbarkeit treffen kann. Wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir die Zukunft sicherer gestalten.


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