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Wenn aus einem VW Bulli Kunst wird: Der "VW T2b Curry" als Objekt des Monats November

vor 8 Stunden
3 Min. Lesezeit

Bei Modellfahrzeugen gibt es meist ein ganz konkretes Vorbild im Original. Doch manche Modelle sehen so ungewöhnlich aus, dass man sich fragt: Gab es dieses Fahrzeug wirklich?


Gelb-weiße Modellauto VW T2b Curry auf schwarzem Sockel vor hellem Hintergrund.

Beim „VW T2b Curry“, auch „Currywurst-Bus“ oder „Curry Bus“ genannt, ist diese Frage durchaus berechtigt. Der gelbe VW Bulli wirkt ungewöhnlich rund und voluminös, seine vertrauten Proportionen scheinen vollkommen verändert. Eine freie Erfindung eines Modellbauers?

Nein – dieses außergewöhnliche Fahrzeug gibt es tatsächlich in Originalgröße. Dahinter steckt der österreichische Künstler Erwin Wurm (*1954), der dafür bekannt ist, vertraute Alltagsgegenstände, Häuser und auch Fahrzeuge zu verändern und damit unseren gewohnten Blick auf sie infrage zu stellen.

Das Modell ist aktuell als Objekt des Monats im Foyer des PS.SPEICHER zu sehen. Mit dem 1-Tagesticket – Erlebnis Fahrzeugwelten könnt ihr neben der Erlebnisausstellung auch die Sammlung MODELLFAHRZEUGE und alle weiteren Sammlungen des PS.SPEICHER entdecken.



Vom VW Bulli zum „Curry Bus“

Ausgangspunkt für das Kunstwerk ist ein maroder VW T2b aus dem Jahr 1975. Anlässlich einer Ausstellung von Erwin Wurm im Kunstmuseum Wolfsburg entsteht 2015 die Idee, den zu diesem Zeitpunkt nicht fahrbereiten klassischen Volkswagen-Kastenwagen in einen ungewöhnlichen Verkaufsstand zu verwandeln.

Bei der Umsetzung arbeiten der Künstler, das Kunstmuseum Wolfsburg und Beschäftigte von Volkswagen eng zusammen. Besonders beteiligt sind 17 Auszubildende aus der Audi/VW-Gruppe des Volkswagen-Konzerns, die das auf vier Wochen angesetzte Projekt tatkräftig unterstützen.

Der ursprünglich kantige Transporter wird grundlegend umgebaut. Das Innenleben samt Bodengruppe wird entfernt. Eine neu eingezogene Stahlkonstruktion trägt anschließend die Kücheneinrichtung mit Fritteuse sowie die Abzugshaube auf dem Dach des Bullis.

Auch die äußere Form des Fahrzeugs verändert sich deutlich: Die Karosserie wird unter anderem mit Styropor, Bauschaum und Spachtelmasse überformt. So entsteht der Eindruck, als habe sich das harte Metall des Automobils in eine weiche, runde und beinahe organische Form verwandelt. Selbst die Räder verschwinden nahezu vollständig unter der voluminösen Karosserie.

Vom 22. März bis September 2015 kommt der Bus vor dem Kunstmuseum Wolfsburg als Imbissstand zum Einsatz und versorgt dort die Besucherinnen und Besucher.


Warum ausgerechnet Currywurst?

Dass ausgerechnet ein Volkswagen zum Currywurststand wird, ist kein Zufall. Seit 1973 gibt es eine eigene Wurst von Volkswagen, die ursprünglich für die Beschäftigten des Unternehmens produziert und im Wolfsburger Werk angeboten wurde. Die VW-Currywurst entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur.


Nahaufnahme eines orangefarbenen Spielzeug-Vans mit weißem Dach auf dunkler Fläche vor hellem Hintergrund.

Wenn vertraute Dinge plötzlich anders aussehen

Seit Anfang der 2000er Jahre verändert Erwin Wurm vertraute Fahrzeuge, indem er ihre Formen überzeichnet, ihr Volumen vergrößert und ihre gewohnten Funktionen infrage stellt. In seiner Serie der „Fat Cars“ werden technisch präzise Automobile zu rundlichen, beinahe organisch wirkenden Skulpturen. Dabei beschäftigt sich Wurm unter anderem mit Themen wie Konsum, Wohlstand, Status und Übermaß.

Auch der „Curry Bus“ folgt diesem Prinzip. Ein Fahrzeug, das eigentlich für Bewegung und Mobilität steht, kommt zum Stillstand und erhält zugleich eine vollkommen neue Funktion: Aus dem VW Bulli wird ein Imbissstand. Gerade dieser Gegensatz zwischen vertrauter Fahrzeugform und überraschender Nutzung prägt die Wirkung des Kunstwerks.

Wurm überträgt dieses Prinzip auch auf andere Fahrzeuge, darunter einen verformten Renault 25 und weitere VW Busse. 2018 gelangt der „Curry Bus“ schließlich nach New York. Im Brooklyn Bridge Park wird er als „Hot Dog Bus“ präsentiert – und erneut als Kunstwerk und Imbissstand zugleich genutzt.


Der VW Bulli im Kleinformat

Auch als Modellfahrzeug ist der VW Bulli längst ein Klassiker. Seine charakteristische Form und die zahlreichen Varianten machen ihn seit Jahrzehnten zu einem beliebten Vorbild für Modellhersteller.

Im Kleinformat gibt es ihn unter anderem als Kombi, Kastenwagen, Samba-Bus, Pritsche, Doppelkabine oder Campingbus, aber auch als Feuerwehr-, Polizei-, Rettungs-, Post-, Liefer- und Werbefahrzeug.

Wie vielfältig das Thema ist, zeigt beispielsweise der Modellhersteller Brekina: Bereits 2004 erscheint dort die 1.000. Variante des VW T1. Mitgezählt werden dabei unterschiedliche Aufbauten, Farbgebungen, Bedruckungen und Sondermodelle.


Vitrinen mit farbigen VW-Bus-Modellen in drei beleuchteten Kästen vor dunkler Wand.

Vom Modell zum Original – und noch viel weiter

Auch in der Sammlung MODELLFAHRZEUGE des PS.SPEICHER sind unterschiedliche VW-Bulli-Modelle zu entdecken. Sie zeigen, wie vielfältig ein einziges Fahrzeugthema im kleinen Maßstab umgesetzt werden kann – von klassischen Varianten bis zu außergewöhnlichen Interpretationen wie dem „Curry Bus“.


Doch die Modellfahrzeuge sind nur eine Station eines ganzen Tages voller Fahrzeuggeschichten: Die Sammlung MODELLFAHRZEUGE ist Teil des 1-Tagestickets „Erlebnis Fahrzeugwelten“. Damit könnt ihr neben der Erlebnisausstellung im historischen Kornspeicher auch die weiteren regulären Sammlungen des PS.SPEICHER entdecken. Vom detailreichen Modell bis zum Fahrzeug in Originalgröße eröffnet sich so die ganze Vielfalt der Mobilität aus immer neuen Perspektiven.



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