Wenn Autos anfangen zu denken: Wie nah ist das autonome Fahren wirklich?
- vor 2 Tagen
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Was passiert, wenn ein Ort, der seit Jahren die Geschichte der Mobilität erzählt, plötzlich über ihre vielleicht kühnste Zukunft spricht? Genau daraus entsteht am 7. August um 19 Uhr in der PS.Halle ein Abend, der weit mehr verspricht als einen klassischen Technikvortrag. Im PS.SPEICHER in Einbeck spricht Dr. Maximilian Flormann von der TU Braunschweig über eines der spannendsten Themen unserer Zeit: „Automatisiertes Fahren – Von der Vision zur Realität“. Veranstaltet wird der Abend von den FörderFreunden PS.SPEICHER e.V., die ihre Vortragsreihe ganz bewusst rund um das Thema Mobilität aufbauen und den Termin für Freitag, 7. August, in der PS.Halle angekündigt haben.
Und vielleicht passt genau dieses Thema deshalb so gut an diesen Ort. Denn wer an den PS.SPEICHER denkt, denkt zuerst an historische Maschinen, an Motorräder, Automobile, Erfindergeist und die lange Geschichte des Unterwegsseins. Aber Mobilität war nie nur Rückblick. Sie war immer auch Sehnsucht nach dem, was als Nächstes kommt. Erst wollte man schneller fahren, dann bequemer, dann sicherer. Heute geht die Frage einen Schritt weiter: Können Fahrzeuge irgendwann nicht nur fahren, sondern auch wahrnehmen, entscheiden und reagieren? Genau an dieser Schwelle bewegt sich der Vortrag von Dr. Flormann. Und genau deshalb hat dieser Abend das Zeug dazu, weit über Technikfans hinaus Interesse zu wecken. Der PS.SPEICHER beschreibt sich selbst als Erlebnisort mit über 200 Jahren Mobilitätsgeschichte; gerade dieser Kontrast aus Vergangenheit und Zukunft macht die Veranstaltung so reizvoll.
Zwischen Science-Fiction und Straßenverkehr
Kaum ein Begriff wird derzeit so schnell benutzt wie „autonomes Fahren“. In Schlagzeilen klingt es oft, als stünden selbstfahrende Autos längst bereit und warteten nur noch darauf, flächendeckend loszurollen. Die Wirklichkeit ist interessanter. Denn das automatisierte Fahren entwickelt sich nicht in einem einzigen Sprung, sondern in Stufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt und das Bundesverkehrsministerium unterscheiden klar zwischen Assistenz, Teilautomatisierung, hochautomatisierten Funktionen und autonomen Anwendungen. Ein Spurhalteassistent ist etwas völlig anderes als ein System, das in einem begrenzten Einsatzgebiet tatsächlich selbstständig fährt. Genau diese Einordnung ist wichtig, weil sie das Thema vom Hype zurück in die Realität holt.
Und genau darin dürfte die Stärke von Flormanns Vortrag liegen: Er verspricht nicht einfach Zukunftsbegeisterung, sondern Orientierung. Was fährt heute schon wirklich autonom? Was ist beeindruckende Assistenz, aber eben noch kein fahrerloses System? Und was wird in der öffentlichen Diskussion regelmäßig verwechselt? Wer heute ein modernes Auto fährt, ist dem automatisierten Fahren oft längst begegnet – beim Abstandhalten, Spurführen, Bremsen oder Parken. Aber aus Assistenz wird nicht automatisch Autonomie. Zwischen bequemer Unterstützung und echter fahrerloser Funktion liegen technische, rechtliche und sicherheitsrelevante Welten.
Gerade das macht die Frage aus dem Titel so spannend: Wie nah ist das autonome Fahren wirklich? Die ehrliche Antwort lautet wahrscheinlich: näher, als viele denken – aber anders, als viele es sich vorstellen. Es geht nicht darum, dass morgen jedes Privatfahrzeug ohne Lenkrad durch die Innenstädte rollt. Realistischer sind zunächst klar definierte Anwendungen: Shuttle-Verkehre, ÖPNV-nahe Systeme, bestimmte Routen, kontrollierte Betriebsbereiche, begrenzte Geschwindigkeiten. Nicht die totale Science-Fiction, sondern Schritt für Schritt erprobte Mobilität. Und genau dieser nüchterne, aber faszinierende Blick auf das Machbare dürfte den Abend so wertvoll machen.
Wenn Technik plötzlich ganz konkret wird
Der Reiz des automatisierten Fahrens liegt auch darin, dass hier ganz unterschiedliche Zukunftstechnologien zusammenkommen. Ein Fahrzeug muss seine Umgebung erfassen, Situationen bewerten, Entscheidungen treffen und vor allem sicher reagieren. Dafür braucht es nicht nur eine einzelne geniale Idee, sondern ein Zusammenspiel aus Sensorik, Software, künstlicher Intelligenz, Kommunikation und Absicherung. Kameras, Radar, Lidar, Umfelderkennung, Datenfusion, Fahrzeugkommunikation – das alles arbeitet nicht nebeneinander, sondern miteinander. Erst dadurch entsteht ein System, das mehr kann als nur helfen.
Was auf dem Papier sehr technisch klingt, wird im Vortrag wahrscheinlich genau an dem Punkt spannend, an dem es greifbar wird. Denn automatisiertes Fahren ist keine ferne Computerfantasie, sondern echte Ingenieursarbeit. Fahrzeuge müssen nicht im Idealfall glänzen, sondern gerade in komplexen Situationen funktionieren: wenn andere Verkehrsteilnehmer überraschend reagieren, wenn Straßenräume unübersichtlich werden, wenn Regeln interpretiert und Risiken minimiert werden müssen. Genau deshalb ist dieses Feld so anspruchsvoll. Und genau deshalb interessiert es mittlerweile nicht nur Entwicklerinnen und Entwickler, sondern auch alle, die wissen möchten, wie Mobilität in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen könnte.
Aus Interviews und Podcast-Gesprächen von Dr. Maximilian Flormann lässt sich zudem ein Gedanke herauslesen, der für diesen Abend besonders spannend ist: Die Zukunft des Fahrens entscheidet sich nicht allein im Auto. Sie hängt auch an der Infrastruktur, an Kommunikation, an digitalen Rahmenbedingungen und an der Frage, wie Fahrzeuge und Umfeld zusammenspielen. Im ReTraSON-Podcast spricht Flormann über die Transformation des Autos, autonomes Fahren und die dafür nötige Infrastruktur. Das macht den Blick auf das Thema automatisch größer. Es geht eben nicht nur um das Fahrzeug, sondern um ein ganzes Mobilitätssystem.
RAION: Das Zukunftsfahrzeug, das nicht nur ein Konzept ist

Besonders interessant wird der Abend dort, wo Forschung ein Gesicht bekommt: beim Einblick in das Forschungsfahrzeug RAION. Die TU Braunschweig beschreibt RAION als Demonstrator eines autonomen ÖPNV-Shuttles auf Level 4, der im realen Straßenverkehr zur Erforschung zukünftiger autonomer Fahrsysteme, Fahrfunktionen und Fahrzeugkonzepte eingesetzt wird. Das klingt schon deshalb besonders, weil RAION eben kein reines Show-Fahrzeug für abgesperrte Flächen ist. Eine Besonderheit des Systems ist laut TU Braunschweig die Auslegung auf verkehrsangepasste Geschwindigkeiten bis 50 km/h – also auf ein realistisches Einsatzfeld für fahrerlose Mobilität im urbanen Raum.
Noch spannender: Die TU Braunschweig betont auch die dreifach redundante Absicherung des Fahrzeugsystems – zwei Sicherungsebenen im Fahrzeug und eine zusätzliche Absicherung über die Infrastruktur. Gerade solche Details zeigen, wie ernst das Thema Sicherheitsarchitektur in der Forschung genommen wird. Denn automatisiertes Fahren gewinnt Vertrauen nicht durch schöne Visionen, sondern durch robuste Systeme, nachvollziehbare Prozesse und belastbare Nachweise. Wer an diesem Abend wissen möchte, wie weit die Technik wirklich ist, dürfte gerade an solchen konkreten Beispielen seine Freude haben.
Dass RAION kein Labortraum mehr ist, sondern ein Projekt mit echter Relevanz, zeigt ein weiterer Meilenstein: Ende 2025 wurde für das Level-4-Shuttle eine Straßengenehmigung kommuniziert. Laut TU Braunschweig wurde die erforderliche Genehmigungsdokumentation innerhalb von nur zwölf Monaten eingereicht; am Prozess beteiligt waren unter anderem das KBA, TÜV Nord und das Straßenverkehrsamt Braunschweig. Solche Schritte machen sichtbar, dass sich die Debatte um autonome Mobilität längst von bloßen Zukunftsszenarien hin zu genehmigungsfähigen Anwendungen verschiebt. Für das Publikum in Einbeck ist das eine starke Botschaft: Hier geht es nicht um „irgendwann vielleicht“, sondern um Entwicklungen, die gerade konkret werden.
Warum Dr. Maximilian Flormann dafür genau der richtige Gast ist
Mit Dr. Maximilian Flormann kommt kein Redner nach Einbeck, der das Thema nur aus zweiter Hand kennt. Auf der Teamseite des Instituts für Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig wird er als Leiter der Arbeitsgruppe „Fahrzeugmechatronik & Kommunikation“ geführt. Genau dort, wo Fahrzeugtechnik, Kommunikation, Regelung und Automatisierung zusammengedacht werden, liegt sein Arbeitsfeld. Das ist wichtig, weil automatisiertes Fahren eben nicht nur Software oder nur Mechanik ist – sondern die Verbindung vieler Disziplinen.
Dazu kommt: Flormann steht erkennbar für eine Art von Forschung, die technische Tiefe mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet. Im Umfeld des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik wird an Methoden gearbeitet, die die Komplexität im teil-, hoch- und vollautomatisierten Fahrbetrieb beherrschbar machen sollen. Das klingt sperrig, ist aber in Wahrheit hochspannend: Denn dahinter steckt die ganz praktische Frage, wie man Fahrzeuge so entwickelt, dass sie in einer Welt voller Fußgänger, Radfahrer, anderer Autos, Regeln und Überraschungen sicher bestehen können. Flormann bringt also genau die Perspektive mit, die man sich für so einen Abend wünscht: nicht Trendgerede, sondern Forschung aus erster Hand.
Gerade weil er das Thema nicht isoliert betrachtet, dürfte sein Vortrag auch für Menschen spannend sein, die sonst nicht jeden Tag über Lidar, Regelung oder SAE-Level nachdenken. Automatisiertes Fahren verändert nicht nur Fahrzeuge. Es verändert unser Verhältnis zum Auto. Über mehr als ein Jahrhundert war das Automobil Symbol für Kontrolle, Freiheit und individuelle Entscheidung. Doch was geschieht, wenn die Technik beginnt, Aufgaben zu übernehmen, die früher untrennbar mit dem Menschen verbunden waren? Was bedeutet Mobilität, wenn der Fahrer zunehmend zum Passagier wird? Solche Fragen reichen weit über Ingenieurwissenschaften hinaus – und genau deshalb ist dieses Thema so gut für einen Abend im PS.SPEICHER geeignet.
Warum dieser Abend perfekt in den PS.SPEICHER passt
Dass ausgerechnet der PS.SPEICHER die Bühne für diesen Vortrag bietet, ist fast schon poetisch. Der Ort erzählt Mobilitätsgeschichte über mehr als 200 Jahre hinweg und zeigt laut eigener Darstellung an mehreren Standorten über 2.500 historische Exponate. Dort, wo man sonst zurückblickt und staunt, wie sehr Erfindungen unsere Welt verändert haben, geht es an diesem Abend um die nächste große Veränderung. Zwischen historischen Motorrädern, Automobilen und Mobilitätsikonen wird plötzlich die Frage verhandelt, wie die Fortbewegung von morgen aussehen könnte.
Das passt auch deshalb so gut, weil die FörderFreunde PS.SPEICHER e.V. genau diesen Brückenschlag unterstützen. Auf ihrer offiziellen Seite beschreiben sie ihre Aufgabe nicht nur als Förderung des Museums, sondern auch als Organisation von Veranstaltungen rund um das Thema Mobilität, die Wissen vermitteln und zugleich unterhalten sollen. Genau darin liegt die Qualität dieses Abends: Er ist nicht nur ein Vortrag über Technik, sondern ein Gesprächsanlass über Zukunft, Gesellschaft, Mobilität und Vertrauen. Er richtet sich an Menschen, die professionell mit dem Thema zu tun haben – und an jene, die einfach neugierig sind.
Und vielleicht ist genau das die schönste Einladung für alle, die noch überlegen, ob sie hingehen sollen: Man muss kein Ingenieur sein, um diesen Abend spannend zu finden. Es reicht, sich für Mobilität zu interessieren. Für die Frage, wie wir künftig in Städten und Regionen unterwegs sein werden. Für die Rolle des öffentlichen Verkehrs. Für die Chancen intelligenter Systeme. Und auch für die Grenzen dessen, was Technik leisten kann. Denn ein guter Vortrag über automatisiertes Fahren ist immer auch ein Vortrag über unsere Zukunft im Alltag.
Ein Abend für alle, die nicht nur über Zukunft lesen, sondern sie verstehen wollen
Am Ende geht es bei diesem Termin um mehr als nur um Sensoren, Software und Shuttle-Konzepte. Es geht um das große Bild. Um eine Technologie, die Sicherheit erhöhen, Mobilitätsangebote erweitern und neue Lösungen für öffentliche Verkehre schaffen könnte – aber nur dann, wenn sie verständlich, robust und gesellschaftlich akzeptiert wird. Das Bundesverkehrsministerium nennt als mögliche Chancen automatisierter und vernetzter Mobilität unter anderem mehr Sicherheit, mehr Effizienz und bessere Teilhabe. Genau diese Hoffnungen treffen an diesem Abend auf echte Forschung, reale Demonstratoren und die ehrliche Frage nach dem Stand der Dinge.
Wer also wissen möchte, wie nah das autonome Fahren wirklich ist, bekommt in Einbeck keine vage Zukunftsromantik serviert, sondern einen fundierten Einblick in ein Feld, das gerade sichtbar Gestalt annimmt. Oder anders gesagt: Wenn Autos anfangen zu denken, dann beginnt die spannendste Diskussion vielleicht nicht auf der Straße, sondern genau hier – in der PS.Halle, im PS.SPEICHER, bei den FörderFreunden PS.SPEICHER e.V..
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